Das halbe Jahrhundert ist voll

50 Jahre Ford Capri: Diese Baureihe hat es geschafft, im Verlauf von f├╝nf Jahrzehnten zum begehrten Klassiker zu reifen.

K├Âln (ots)

  • Ford Capri I (1969 bis 1973): “Au├čergew├Âhnliches Fahrzeug f├╝r gew├Âhnlichen Markt”
  • Ford Capri II (1974 bis 1977): Zeitgem├Ą├če Fortsetzung der Idee vom sportlichen Alltagscoup├ę
  • Ford Capri III (1978 bis 1986): Serienmodell auf Basis der Studie “Modular Aerodynamic”
  • Ford Capri im Motorsport: der perfekteste Renntourenwagen seiner Zeit

50 Jahre Ford Capri: Diese Baureihe hat es geschafft, im Verlauf von f├╝nf Jahrzehnten ohne Verlust von Anmut und Spannkraft vom popul├Ąren Alltagssportwagen f├╝r Jedermann zum begehrten Klassiker zu reifen. Das lag vor allem an der Art Magie, die entsteht, wenn Einfachheit und Sch├Ânheit sich zu etwas Greif- und Begreifbarem verbinden und einem Objekt Seele und Charakter verleihen. Das ist das Holz, aus dem der Capri geschnitzt ist. Mit seinen bet├Ârenden Formen weckte er Begehrlichkeiten und Tr├Ąume, die sich auch nach dem Aufwachen noch erf├╝llen lie├čen. Tr├Ąume mit Bodenhaftung eben. Nachfolgend die wichtigsten Stationen aus dem “Leben” eines Publikumslieblings.

Ford Capri I (1969 – 1973)

“Ein au├čergew├Âhnliches Fahrzeug f├╝r einen gew├Âhnlichen Markt” …

… So lautete die ├ťberschrift einer Pressemitteilung, mit der die Medien auf die erste Capri-Generation eingestimmt wurden: Form, Gr├Â├če und Fahrleistungen dieses Wagens vereinigen sich zu einem neuartigen Begriff der Sportlichkeit. Denn der Capri ist weder ein Kompromiss zwischen Sportwagen und Familienwagen, noch ist er eine abgewandelte Limousine. Er ist, vereinfacht ausgedr├╝ckt, ein mittelgro├čes Fastback-Coup├ę von ├Ąu├čerst ansprechender, sportlicher Form. Dabei ist er, gemessen an Sportwagen-Standards, ├╝beraus ger├Ąumig – er bietet Platz f├╝r vier Personen und ihr Gep├Ąck – und hat dennoch viele der Eigenschaften, die einen echten Sportwagen auszeichnen. Bis auf den Preis.

Wer hat┬┤s “erfunden”? Der US-Designer Philip T. Clark, Sch├Âpfer auch des Mustang

Die straffen Formen dieses automobilen Kulturguts, seine klaren Fl├Ąchen und Konturen waren nicht etwa das Werk deutscher Kreativkunst. Verantwortlich zeichnete vielmehr der amerikanische Designer Philip T. Clark, Sch├Âpfer des ebenfalls kultigen Ford Mustang. Clark war auch der eigentliche Inspirator f├╝r eine Art deutscher Mustang – der Capri eben.

Nach ausf├╝hrlichen Marktforschungen rechneten die Modellplaner mit einem deutlich ├╝berwiegenden Anteil junger K├Ąufer in der Altersspanne 18 bis 29 Jahren. Die Marketingexperten verga├čen nat├╝rlich nicht, auch reifere Jahrg├Ąnge ins Sportcoup├ę zu holen. Und weil die ├älteren meist doch mehr von Vernunft gelenkt werden als von Adrenalinst├Â├čen, wurden auch Familienkompetenz und Nutzwert des Capri herausgestellt.

Versinkende Sonne statt rauchender Colts – wie der Capri zu seinem Namen kam

Im Januar 1969 gab das neue Auto seine internationale Publikumspremiere auf dem Br├╝sseler Automobilsalon und wurde noch im gleichen Monat in der Bonner Beethovenhalle der deutschen Fachpresse vorgestellt. Im Februar 1969 schlie├člich betrat der Capri die Arena, in der Erfolge gefeiert und Niederlagen erlitten werden: die Showrooms der H├Ąndler, den Markt. Urspr├╝nglich h├Ątte der Capri ├╝brigens Colt hei├čen sollen. Aber wie sich herausstellte, f├╝hrte bereits ein fern├Âstlicher Hersteller diesen Namen in seinem Modellportfolio.

F├╝nf Modellvarianten zur Markteinf├╝hrung

Capri 1300, Capri 1500, Capri 1700 GT, Capri 2000, Capri 2300 GT: Insgesamt f├╝nf Modellvarianten standen zur Markteinf├╝hrung zur Wahl – bis 1,7 Liter Hubraum in V4-, dar├╝ber in V6-Formation. Kenner identifizierten die Sechszylindermodelle ├╝brigens am “Power-Buckel”, einer verr├Ąterischen Ausbuchtung in der Motorhaube. Das zugeh├Ârige Leistungsspektrum reichte von eher defensiven 50 bis zu 108 PS – damals ein durchaus respektabler Wert. Je nach Ausf├╝hrung lie├č sich der Ford Capri damit in vertr├Ąumten 22,7 (1300) bis sportlichen 10,8 Sekunden (2300 GT) Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, die maximale Reisegeschwindigkeit lag zwischen 133 und 178 km/h – Werte, die ein halbes Jahrhundert sp├Ąter jeder halbwegs gut aufgelegte Ford Fiesta erreicht. Der Ford Capri sorgte damals jedenfalls f├╝r Aufsehen, und das nicht alleine mit rassiger Optik und sportlichen Fahrleistungen, sondern auch mit seinem Preis: 6.995 Deutsche Mark wurden f├╝r das 1,3-Liter-Basismodell aufgerufen – eine Preis-Leistungs-Sensation!

Im Herbst 1969 r├╝ckte eine “Hochleistungsversion” des 2300 GT zum Oberhaupt der Modellfamilie auf, die mit scharfer Nockenwelle, Doppelrohrauspuff und Modifikationen an Z├╝ndung und Vergaser satte 125 PS servierte – ein ziemlich hei├čer Ofen, der im prestigetr├Ąchtigen Sprint sportwagenw├╝rdige 9,8 Sekunden und ein maximales Marschtempo von 190 km/h vorweisen konnte.

Sportlicher Anspruch und automatisches Schalten waren kein Widerspruch

Sportlicher Anspruch und automatisches Schalten stellte f├╝r Ford schon damals keinen Widerspruch dar. Als Alternative zum serienm├Ą├čigen Viergang-Handschalter offerierte der Hersteller f├╝r alle Modellversionen mit Ausnahme des 1300ers ein automatisches Dreistufengetriebe. Die Fahrwerkstechnik samt McPherson-Federbein-Vorderachse und starrer Hinterachse an Halb-Elliptik-L├Ąngsblattfedern hatten die Entwickler fast unver├Ąndert von Capri’s bravem Bruder ├╝bernommen, dem Ford Taunus.

Zudem gerierte sich der Ford Capri schon damals als Europ├Ąer modernerem Zuschnitts. Gebaut wurde er n├Ąmlich nicht nur im Ford-Stammwerk K├Âln-Niehl, wo das Unternehmen 86 Millionen DM in neue Produktionsanlagen investiert hatte, sondern auch im englischen Halewood, wo ihm Motoren aus dem britischen Ford-Programm eingepflanzt wurden.

1973 war das erfolgreichste Jahr der gesamten Capri-Historie

In k├╝rzester Zeit st├╝rmte das Auto mit den K├Âlschen Wurzeln die Herzen seiner Zielgruppe, denn schon zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/M. des Jahres 1969 konnte Ford vermelden: Inzwischen sind in K├Âln rund 75.000 Capris gebaut worden. Und obwohl die Produktion dieses Modells seit Januar st├Ąndig erh├Âht wurde, gelang es nicht, mit der ungew├Âhnlich lebhaften Nachfrage Schritt zu halten.

Und das sollte so bleiben. Bis zum Ende ihrer f├╝nfj├Ąhrigen Laufzeit sorgte die erste Ford Capri-Generation n├Ąmlich nicht nur f├╝r Fahrvergn├╝gen, sie schuf auch ein imposantes Zahlenwerk: 784.000 Einheiten waren von 1969 bis einschlie├člich 1973 in Deutschland gebaut worden, 244.000 davon fanden auf dem Heimatmarkt einen Abnehmer. 1973, das letzte Jahr im Modellzyklus von Generation I, wurde zum erfolgreichsten der Ford Capri-Historie ├╝berhaupt: im August 1973 rollte das 1.000.000ste Exemplar vom Band.

Bis dahin waren aber noch diverse Modifikationen und Modellpflegema├čnahmen in die Serie eingeflossen. Auch durch das Motorenprogramm war noch einmal frischer Wind geweht. Die V4-Motoren wurden durch 1,3- und 1,6-Liter-Reihenvierzylinder mit 55 und 72 PS beziehungsweise 88 PS aus dem Ford Taunus-Programm ersetzt, w├Ąhrend der 140 PS starke 3,0-Liter-V6, der sich bereits im Granada und Consul GT bew├Ąhrt hatte, nun auch f├╝r die deutschen Capri-Modelle verf├╝gbar war.

DER Capri schlechthin: der 1970 vorgestellte 2600 RS

DER Ford Capri schlechthin aus Sicht vieler Enthusiasten, Fans und Motorsportfreunde war und ist bis heute der Ende 1970 vorgestellte 2600 RS – das bis dato sportlichste Modell der Marke ├╝berhaupt. F├╝r schlanke 15.800 DM erhielten sportlich ambitionierte Fahrer ein Auto mit sechs Zylindern, Kugelfischer-Einspritzung, tiefergesetztem Sportfahrwerk und 150 munteren Pferden unter der mattschwarzen Motorhaube, dessen markantes Doppelscheinwerfer-Gesicht in Motorsport-Konfiguration schon bald auf Augenh├Âhe mit der erfolgsverw├Âhnten Porsche-Phalanx auftauchen sollte. Die Homologationsauflage von 1.000 Einheiten, kr├Ąftig nachgesch├Ąrft mit Leichtbauzutaten wie Magnesiumfelgen, Plexiglasscheiben und Kunststofft├╝ren, legte n├Ąmlich den Grundstein f├╝r eine au├čergew├Âhnliche Rennsportkarriere (siehe: Der Ford Capri im Motorsport).

Ford Capri II (1974 – 1977)

Eleganter, sicherer, komfortabler, praktischer – die zeitgem├Ą├če Fortsetzung der Idee vom sportlichen Alltagscoup├ę

Mit dem jetzt vorgestellten Capri II demonstrieren Fords Konstrukteure, dass sich auch Bestseller noch verbessern lassen, verk├╝ndete Ford zum Start der zweiten Modellgeneration im Jahre 1974. Die Baureihe sei die zeitgem├Ą├če Fortsetzung der Capri-Idee, ein Vernunftbeispiel in dieser sportlich-funktionalen Klasse … eleganter, sicherer, komfortabler und auch noch praktischer als sein erfolgreicher Vorg├Ąnger, von dem in f├╝nf Jahren ├╝ber eine Million Exemplare gebaut und in alle Welt verkauft wurden. In ihm verbinden sich bew├Ąhrte, millionenfach ausgereifte Technik mit modernem, funktionellem Design.

Die Nachwirkung der ├ľlkrise lie├č Fahrzeuge wie ihn fast wie Verirrungen erscheinen

Den g├╝nstigsten Zeitpunkt, m├Âgliche Kunden mit einem Schuss ins Herz zu “erlegen”, hatte Diana, die G├Âttin der Jagd, in Gestalt des Ford Capri II (Projektname: “Diana”) im Februar 1974 nicht wirklich erwischt. Im Jahr zuvor, 1973, hatte die sogenannte ├ľlkrise mit Sonntagsfahrverboten und Geschwindigkeits-Beschr├Ąnkungen ein politisches Klima heraufbeschworen, das sportliche Fahrzeuge fast wie Verirrungen erscheinen lie├č. Dass der zweiten Generation des Erfolgsmodells trotzdem die Herzen zuflogen, lag wohl auch daran, dass sie Vernunft-Argumente noch l├Ąssiger zu bedienen vermochte als der Vorg├Ąnger.

Mit gro├čfl├Ąchigen, in die Karosserielinie einbezogenen Rechteck-Scheinwerfern samt integrierten Blinkleuchten sowie glatten Oberfl├Ąchen und einer geradlinig durchgezogenen Sto├čstange vermittelte der Ford Capri II noch mehr Sachlichkeit und Klarheit. Schlanke, weit nach hinten gezogene Seitenfenster streckten zudem den Aufbau und lie├čen ihn graziler wirken, w├Ąhrend h├╝bsche Details wie die kleine Erhebung auf der Motorhaube oder ein schwarzer Frontgrill die Baureihe mit sportlichen Akzenten weiter aufwerteten.

Die Coolness blieb erhalten: lange Motorhaube, knackig-kurzes Hinterteil

Die Coolness der ersten Ford Capri-Generation, ihre Formensprache und Proportionen blieben vom Evolutionsschub unber├╝hrt: lange Motorhaube, niedrige Dach- und G├╝rtellinien, knackig-kurzes Hinterteil – dies waren Kennzeichen auch des Ford Capri II. Ford-Chefdesigner Uwe Bahnsen hatte ganze Arbeit geleistet, das Werk seines Vorg├Ąngers mit Know-how und Fingerspitzengef├╝hl weiterentwickelt. Auch bei der Interieurgestaltung, f├╝r die Ford in England verantwortlich zeichnete, hatten Designer und Ergonomen Hand angelegt und entsprechend den ├Ąu├čeren Formen Cockpit und Armaturentr├Ąger optisch gegl├Ąttet. F├╝r mehr Komfort und Seitenhalt waren zudem sportlich konturierte “Schalensitze” – so nannte man die dezent skulpturierten Sessel damals tats├Ąchlich – eingebaut worden.

Technisch hatte der Ford Capri II ebenfalls nachgelegt. Fahrern, die nicht eigenh├Ąndig im voll synchronisierten Getriebe herumr├╝hren mochten, konnten ein neues, speziell auf Wagen im Europaformat zugeschnittenes Automatikgetriebe w├Ąhlen. In das Fahrwerk waren zudem die Erfahrungen aus der ersten Modellgeneration gewinnbringend eingebracht worden: Eine spurverbreiterte Hinterachse sowie ├╝berarbeitete Feder- und D├Ąmpferabstimmungen verbesserten mit der Stra├čenlage auch den Spa├čfaktor. Bis zur 2,3-Liter-Version musste sich der Ford Capri allerdings mit einer eher schm├Ąchtigen 165 SR 13-Besohlung begn├╝gen, beim Drei-Liter waren immerhin 185/70er-“Breitreifen” aufgezogen.

Das Motorenprogramm der zweiten Capri-Generation entsprach weitgehend dem der ersten. Den Part des 1,3-Liter-Einsteigers ├╝bernahm zun├Ąchst das aus dem Ford Escort bekannte OHV-Triebwerk mit 55 PS, das aber kurz darauf gegen eine Normalbenzin konsumierende Version mit 54 PS ausgetauscht wurde. Die n├Ąchsth├Âheren Stufen in der Leistungshierarchie besetzten die bekannten 1,6-Liter-Allrounder mit 68, 72 und 88 PS, w├Ąhrend der 2600 GT aus dem Programm genommen wurde. Leistungshungrige wurden jetzt von zwei Sechszylinder-Modellen bedient: einer 108 PS starken 2,3-Liter-Version und dem Drei-Liter-“Essex”-Motor mit 138 PS.

Alltagstauglichkeit ins Lastenheft geschrieben

Den Ford-Ingenieuren waren auch bei der zweiten Capri-Generation Alltagstauglichkeit ins Lastenheft geschrieben worden. Ergo verfeinerte eine schluckfreudigere Federung den Fahrkomfort, w├Ąhrend gr├Â├čere Fensterfl├Ąchen f├╝r mehr ├ťbersichtlichkeit sorgten und eine gr├Â├čere Heckklappe das fr├╝here Kofferraum-Deckelchen abl├Âste. Die zugeh├Ârigen Scharniere hatten die Ford-Ingenieure dabei so clever versteckt, dass die flie├čende Linie der Karosserie keinen Schaden nahm.

Wer angesichts dieser unwiderstehlichen Mischung aus Vernunft und Verf├╝hrung immer noch unschl├╝ssig den Geldbeutel knetete, gelangte wom├Âglich zur Kaufentscheidung, als der Ford Capri noch ein umfangreiches Sicherheitspaket obendrauf packte: Stahlg├╝rtelreifen, Stabilisatoren, Scheibenbremsen, Bremskraftverst├Ąrker, heizbare Heckscheibe, elektrische Scheibenwascher, alles ab Werk dabei. Auch das Vertrauen des Kunden in Marke und Produkt wurde nachhaltig gest├Ąrkt. Als erster und bis dato einziger Automobilhersteller auf dem deutschen Markt verdoppelte Ford die Neuwagengarantie auf ein Jahr oder 20.000 Kilometer.

Im Mai 1976 ordnete das Unternehmen die Ford Capri II-Modellpalette grundlegend neu. Au├čer Modifikationen an der Ausstattungsstruktur und bei Innenraumdetails ersetzte ein 2,0-Liter-V6-Motor mit 90 PS die 88 PS starke 1600er-Version und erwies sich als Volltreffer. Seine ├╝berzeugende Kombination aus Laufkultur, Temperament, moderatem Kraftstoffverbrauch und Zuverl├Ąssigkeit harmonierte nicht nur pr├Ąchtig mit dem Charakter des Volkssportlers, sondern auch mit den Erwartungen seiner K├Ąufer.

Der Capri S: ein Leistungssportler “frei von schillernder Zierde”

Als Ersatz f├╝r die bisherige GT-Variante kam im Mai 1976 der Ford Capri S neu ins Spiel, laut Hersteller ein Leistungssportler mit der Vernunft eines Ford und frei von schillernder Zierde, der mit seinem Dreiliter-V6 doppelt so teure Sechszylinder-Coup├ęs provoziert: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden, Spitze 198 km/h. Wobei die Werte selbst weniger beeindruckend sind als die Art, wie dieses gro├čvolumige, aus dem Vollen sch├Âpfende Triebwerk seine Leistung produziert … Neue Styling-Elemente wie der markante Frontspoiler und ein Beifahrer-Au├čenspiegel rundeten das Erscheinungsbild des Ford Capri S ab – der nicht nur mit dem Drei-Liter-Top-Triebwerk zu haben war, sondern auch mit den kleineren, 90 und 108 PS starken 2,0 l-V6-Motoren.

Ein Auto mit derartigem Charisma dr├Ąngte sich f├╝r Spezial-Editionen und f├╝r das Tuning geradezu auf – wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde. So legte Ford 1975 zum Beispiel die limitierte, von Ford Capri-Kennern kurz “JPS” genannte Sonderserie “John Player Special” auf, die im Stil der damaligen Lotus Formel-1-Boliden ganz in Schwarz und Gold gehalten war. Dass dazu jeder K├Ąufer ein nummeriertes Zertifikat erhielt, trug ebenfalls dazu bei, dieses Modell zum begehrten Sammlerobjekt zu machen.

Auch in den USA konnte sich der Ford Capri souver├Ąn behaupten

Auch auf dem US-Markt war der Capri seit der ersten Modell-Generation heimisch. Im Revier seines amerikanischen Vetters Ford Mustang, wo das Tempo zwar limitiert, die M├Âglichkeiten jedoch unbegrenzt sind, hatte sich der Capri souver├Ąn behauptet und war hinter dem VW K├Ąfer zeitweise zum zweitbesten Importmodell aufgestiegen. Womit die zweite Ford Capri-Generation schwarz auf wei├č nachweisen konnte, den Erfolg der ersten Generation fortgesetzt zu haben. Aber auch das sollte nur die Zwischenetappe einer Erfolgsgeschichte sein, der Capri “hatte noch nicht fertig”.

Bei aller Glorie ist es auch f├╝r Helden der motorisierten Fortbewegung irgendwann Zeit, die Stube f├╝r einen Nachfolger besenrein zu fegen. Beim Ford Capri II war das 1976. Die Produktion in den englischen Werken Halewood und Dagenham wurde eingestellt, gebaut wurde der Volkssportler nur noch in den deutschen Werken K├Âln und Saarlouis/Saarland.

Capri II ┬┤78, sp├Ąter allgemein Capri III (1978 – 1986)

Die dritte Modell-Generation basierte auf der “Modular Aerodynamic”-Studie

Die dritte und letzte Modell-Generation des Ford Capri stellte sich im M├Ąrz 1978 der ├ľffentlichkeit vor und reckte stolz eine neu gestaltete Bugpartie mit Halogen-Doppelscheinwerfern und einen Fronthauben-├ťberhang mit integriertem Spoiler in den Wind. Das war kein Imponiergehabe, sondern eine Ma├čnahme zur Verbesserung der aerodynamischen Effizienz. Wie der Versperrungs-Lamellenk├╝hlergrill war diese Technologie von der Studie “Modular Aerodynamic” mit “Droop-Snout”-Front abgeleitet worden, die Ford als Vorboten des Capri III auf dem Genfer Automobilsalon 1976 pr├Ąsentiert hatte. Neu war auch die bis an die Radauschnitte herangef├╝hrte Sto├čstange. Die wurde noch immer so genannt, der elegantere Begriff “Sto├čf├Ąnger” war noch nicht gebr├Ąuchlich.

Mehr Sicherheit, mehr Fahrvergn├╝gen und Servobremsen, die “solide Arbeit leisten”

Dem Chassis des Ford Capri III hatten sich die Ingenieure ebenfalls umfangreich gewidmet, wie Ford Mitte 1977 in einer Pressemeldung mitteilte: Das Fahrwerk des Ford Capri, im Rennsport mit Erfolg erprobt, ist auf vitale Motorleistung und hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Es besitzt eine Vorderachse aus Federbeinen, die durch Querlenker gef├╝hrt und einen Querstabilisator zus├Ątzlich versteift ist. Die F├╝hrung der Hinterr├Ąder ├╝bernimmt eine spur- und sturzkonstante Hinterachse, die bei allen Capri-Modellen neuerdings durch Gasdrucksto├čd├Ąmpfer optimiert ist. In Verbindung mit einem Querstabilisator ergibt sich daraus ein deutlicher Zuwachs an Fahrsicherheit, Stra├čenlage und Kurvenstabilit├Ąt. S├Ąmtliche Capri besitzen an der Vorderachse servounterst├╝tzte Scheibenbremsen, die beim Verz├Âgern solide Arbeit leisten …

Der 1,3-Liter-Basismotor fiel der sportlichen Akzentuierung des Ford Capri III zum Opfer. Das gestraffte Motorenprogramm umfasste nun zwei 1,6-Liter-Reihenvierzylinder sowie drei V6-Triebwerke mit 2,0, 2,3 und 3,0 Litern Hubraum und einem Leistungsspektrum von 68 bis 138 PS. Weitere ├änderungen zum Modelljahr 1979 konzentrierten sich auf technischen Feinschliff an der Antriebspalette, wobei die Zwei- und Drei-Liter-Sechszylinder auf mehr Wirtschaftlichkeit und Leistung getrimmt wurden. So lie├č sich die Zwei-Liter-Version bei unver├Ąnderten 90 PS nun mit Normal- statt mit Superbenzin betanken, w├Ąhrend der “Zwo-Dreier” mit nunmehr 114 PS (vorher: 108 PS) das damalige Reglement der Kfz-Versicherer konsequent ausreizte. Auch der Drei-Liter hatte etwas vorzuweisen: Er machte die 19.607,53 DM teure Capri S-Version zu Deutschlands g├╝nstigstem Angebot im Klub der 200 km/h schnellen Automobile.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1978 vergr├Â├čerte sich die Capri-Antriebspalette um einen Zwei-Liter-Vierzylinder mit 101 PS, der sich durch besondere Kraftstoff-Askese auszeichnete und zugleich mit seinem Temperament zu flotten Kurvenk├╝ren animierte.

Der 2,8 Injection: eine Entwicklung des Teams “Special Vehicle Engineering”

Ein wahrer Knaller reihte sich 1981 in die Sportlerriege ein: der Ford Capri 2,8 Injection. Es handelte sich dabei um eine Entwicklung des Teams “Special Vehicle Engineering”. Der “Injection” ersetzte die Drei-Liter-Version und wurde von den Marketing-Experten als Erbe des legend├Ąren 2600 RS positioniert.

Die motorische Umsetzung erfolgte ├╝ber einen neuen 2,8-Liter-V6-Einspritzmotor, der dank einer Leistung von strammen 160 PS in anspruchsvoller Dosierung Dynamik und Fahrerlebnisse erzeugte. 210 km/h lautet die Tempoansage, die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h erledigte der “Injection” in gut acht Sekunden. Mit ihm konnte man sich auf dem Sportfahrer-Parkett blicken lassen, zumal die gebotene Power von einem modifizierten S-Fahrwerk mit verst├Ąrkten Querstabilisatoren, 205/60 VR 13-Breitbereifung auf Leichtmetall-Siebenz├Âllern und Bremsdruck-Regelventil an der Hinterachse auch sportgerecht inszeniert wurde. Auch Design- und Ausstattungsdetails wie ein betont expressiver Spoilersatz, markante Zierstreifen und ein entsprechend akzentuiertes Interieur lie├čen an dem bevorzugten Bewegungsprofil dieses Ford Capri keinen Zweifel aufkommen.

Der Ford Capri Turbo: bis zu 215 km/h schnell

“Einer geht noch”, mochten sich die Modellstrategen gedacht haben, als sie ebenfalls noch 1981 (Juli) den Ford Capri Turbo in einer limitierten St├╝ckzahl von 200 Exemplaren aus der Taufe hoben. Unter der Haube pumpte das per KKK-Turbolader auf 188 PS aufgeblasene 2,8-Liter-Herz des “Injection”, auf Wunsch war ein Sperrdifferenzial lieferbar. Von seinen zahmeren Br├╝dern unterschied sich der “Turbo” au├čerdem durch muskul├Âse 235-Millimeter-Bereifung unter aerodynamisch geformten Kotfl├╝gelverbreiterungen sowie durch eine Front- und Heckbefl├╝gelung, die den Fahrtwind in die gew├╝nschten Bahnen lenkte. Das Ergebnis war schon in n├╝chternen Zahlen imponierend: Lediglich acht Sekunden vergingen vom stehenden Start bis Tempo 100 km/h, bis zu 215 km/h war der Ford Capri Turbo schnell.

Im August 1981 wurde der 2,8 Injection “entlimitiert” und ins regul├Ąre Modellprogramm aufgenommen, die Zwei- und Drei-Liter-V6-Varianten traten daf├╝r in den Ruhestand. 1983 wurde das Antriebsprogramm noch einmal nachjustiert. Neues Einstiegsmodell in die Ford Capri-Welt war nun der 2,0 GT mit dem 101-PS-Vierzylindermotor, die goldene Mitte markierte der 114 PS starke 2,3 S, an der Spitze thronte der “Ober-Capri” 2,8 Injection. Drei Jahre sp├Ąter, 1984, leiteten die Modelle Super GT und Super Injection dann das Ende der Ford Capri-├ära ein.

Insgesamt wurden rund 1,9 Millionen Ford Capri-Exemplare produziert – ein ├╝beraus erfolgreiches Kapitel deutscher und europ├Ąischer Automobilgeschichte. Einen wirklichen Nachfolger erhielt der Ford Capri nicht.

Der Ford Capri im Motorsport

Der perfekteste Renntourenwagen seiner Zeit

Ursprung der au├čergew├Âhnlichen Motorsportkarriere des Ford Capri war das im Jahre 1970 pr├Ąsentierte Stra├čenmodell RS 2600. 1971 beteiligt sich Ford werksseitig mit zwei Fahrzeugen an der Tourenwagen-Europameisterschaft und mit einem Exemplar an der Deutschen Rundstrecken-Meisterschaft. Die Ergebnisse sprachen f├╝r sich: Auf internationaler B├╝hne holte Dieter Glemser den Titel, im deutschen Wettbewerb fuhr Jochen Maas mit dem Maximalergebnis von acht Siegen in acht L├Ąufen den Gesamtsieg ein. Auch 1972 dominierten die Ford Capri fast ├╝berall nach Belieben und vergr├Â├čerten ihre Erfolgsbilanz um die Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft (Hans-Joachim Stuck), die Europa-Tourenwagen-Meisterschaft (Jochen Maas), die Pl├Ątze eins und zwei beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans und einen Dreifachsieg beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps.

Nach einer ├ťbergangszeit begann 1978 in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft die ├ära des 400 PS starken Ford Capri Turbo, der sich 1979 mit vier Siegen in der Division bis zwei Liter Hubraum als wahrer Hecht im Karpfenteich entpuppte und 1980 als rund 580 PS starker “Super Capri” in der gro├čen Division ├╝ber zwei Liter Hubraum selbst die dominanten Porsche 935 ins Visier nahm. Mit f├╝nf Siegen avancierte Klaus Ludwig zum erfolgreichsten Fahrer der Meisterschaft, auch wenn er aufgrund von Regelstreitigkeiten den Meistertitel verpasste. Auch Walter R├Âhrl begann seine ├╝beraus erfolgreiche Rallye-Karriere auf einem Ford Capri.

1981 war ebenfalls ein Ford Capri-Motorsportjahr – aber leider auch das letzte, denn der Nachfolger C100 lief sich bereits warm. Mit zehn Siegen in dreizehn L├Ąufen legten Klaus Ludwig und sein Turbo-Capri in der kleinen Division einen wahren Durchmarsch zur Meisterschaft hin, w├Ąhrend parallel dazu der Super Capri mit Manfred Winkelhock sechs Siege in der gro├čen Division einfuhr. Ein Abgang mit Ausrufezeichen!

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