Zehn WĂŒnsche an die Politik

(pd-f/tg) In zwei Wochen steht die Bundestagswahl 2017 an. Das TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten zeigte: FĂŒr den Radverkehr scheint in der politischen Debatte aktuell kein Platz. Dabei ist das Thema gerade in Zeiten des Klimawandels wichtig fĂŒr die Zukunft. Das Fahrrad ist eine Lösung, um den Verkehrskollaps in den StĂ€dten zu vermeiden. Der pressedienst-fahrrad hat zehn konkrete, zukunftsweisende Statements von Branchenvertretern an die Politik zusammengetragen.

Guido Meitler, Marketingmanager beim Kinderradhersteller Puky:

„Verkehrspolitik fĂ€ngt schon bei den Kleinen an. Kinder mĂŒssen sich auf dem Rad sicher fĂŒhlen, damit sie Freude am Radfahren und der persönlichen MobilitĂ€t haben. Dadurch begreifen sie schon frĂŒh, dass auch Alltagswege mit dem Rad zurĂŒckgelegt werden können und nicht bei jeder Gelegenheit das Auto gebraucht wird. Wir wĂŒnschen uns deshalb eine kinder- und familienfreundliche Infrastruktur mit mehr verkehrsberuhigten Zonen. Tempo 30 vor Schulen und KindergĂ€rten ist schon ein Anfang, kann aber nur ein erstes Signal sein.“

Dr. Rainer MĂŒller, GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim Beleuchtungsspezialisten Busch & MĂŒller:

„Wir wĂŒnschen uns die Akzeptanz des Fahrrads als Verkehrsmittel, nicht nur als FreizeitgerĂ€t. Dazu: Alle neuen Straßen mĂŒssten grundsĂ€tzlich mit Radwegen ausgestattet werden. Viele vorhandene Straßen ließen sich ohne großen Aufwand von zwei breiten Fahrspuren mit je einem Seitenstreifen um einen Radweg ergĂ€nzen. Vor allem im lĂ€ndlichen Raum mit mehr oder weniger steilen Bergen (wie bei uns im Sauerland) besteht enormer Nachholbedarf.“

Andreas Hombach, Vertriebsleiter Fahrrad-Parksysteme beim Metallbauer WSM:

„Mehr Alltagsradverkehr bedeutet eine Entlastung des Straßenverkehrs, eine Minderung der Schadstoff- und LĂ€rm-Emissionen sowie eine Verbesserung der Gesundheit. Erforderlich ist ein Paradigmenwechsel in der Stadt- und Verkehrsplanung. Benötigt werden querungsfreie, direkte und sichere Radverkehrsverbindungen sowie eine ausreichende Anzahl an sicheren und witterungsgeschĂŒtzten Fahrradabstellanlagen. Neben seinem Engagement im Bereich der Bundesstraßen und ĂŒberregionalen Radschnellwege sollte der Bund auch die LĂ€nder finanziell in die Lage versetzen, entsprechende Infrastrukturmaßnahmen einzuleiten.“

Antje von Dewitz, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin beim Bekleidungsspezialisten Vaude:

„Ich wĂŒnsche mir von der Politik konkrete Förderkonzepte und Zielvorgaben fĂŒr die Transformation hin zu fahrradfreundlichen StĂ€dten und Einzugsgebieten. Dazu gehört in der Stadt die sichere und bevorzugte VerkehrsfĂŒhrung fĂŒr Fahrradfahrer. FĂŒr Stadt und Umland wĂŒnsche ich mir den Einbezug des öffentlichen Nahverkehrs, v. a. im Hinblick auf den Transport von FahrrĂ€dern, sowie einen breiten Ausbau von Fahrradwegen – auch in lĂ€ndlichen Regionen! Wir fördern als Arbeitgeber durch vielfĂ€ltige Maßnahmen den umweltschonenden Weg per Rad zur Arbeit. Die Sicherheit sollte dafĂŒr zugleich gewĂ€hrleistet sein.“

Steffen Alberth, Leiter Vertrieb und Service beim Fahrradhersteller Winora:

„FahrrĂ€der, ob mit oder ohne Motor, bieten unendlich viele Vorteile: FĂŒr die Umwelt, fĂŒr den Verkehr, fĂŒr die individuelle MobilitĂ€t, fĂŒr die persönliche Gesundheit. Wir von der Winora Group wĂŒnschen uns, dass auch die Politik das Radfahren mehr unterstĂŒtzt. Etwa durch den Ausbau von sicheren Fahrradwegen in der Stadt und Radschnellstraßen, z. B. fĂŒr Pendler. Sie sollten sowohl Radfahrern mit als auch ohne E-Antrieb ein sicheres Fahren ermöglichen. Radfahrer sollten mehr Rechte im Straßenverkehr erhalten, in Fahrradstraßen oder 30er-Zonen. In Schulen sollte der Spaß am Radfahren schon frĂŒh vermittelt werden, etwa durch die Integration in den Lehrplan. Die Politik könnte ein Fahrradressort einrichten, um dem Fahrradfahren das nötige Gehör und Gewicht in der politischen Diskussion zu verschaffen. Ähnlich wie bei den Elektroautos sollten die BĂŒrger mit SteuervergĂŒnstigen dazu motiviert werden, sich statt eines Autos ein E-Bike zu kaufen oder zu leasen, um damit umweltschonend lĂ€ngere Strecken zurĂŒcklegen zu können. Initiativen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ sind großartige AnsĂ€tze und sollten auch von der Politik unterstĂŒtzt werden.“

Henning Voss, GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim deutschen Brompton-Vertreiber Voss Spezial-Rad:

„Von einer Schwarz-Weiß-Sicht nach dem Motto entweder Auto oder Fahrrad halte ich persönlich nichts. Wenn der Weg zur Arbeit ein Mix aus Auto, ÖPNV und Falt-Fahrrad sein könnte, wĂŒrden viele Pendler erleben, wieviel Spaß und Abwechslung das Element Falt-Fahrrad in dieser MobilitĂ€tskette bringt. DafĂŒr wĂŒnsche ich mir von der Politik eine StĂ€rkung des ÖPNV und eine erstklassige Fahrrad-Infrastruktur, besonders in den Stadtzentren, sodass die „letzte“ Meile auf dem Fahrrad der Höhepunkt auf dem Weg zur Arbeit wird.“

Maximilian Schay, GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim Bambusradhersteller My Boo:

„Als noch junges Unternehmen aus der Fahrradbranche beschreiten wir einen sehr besonderen Weg. Dabei möchten wir mit unseren My-Boo-BambusfahrrĂ€dern ein innovatives Produkt, konkretes soziales Engagement in Ghana und nachhaltiges wirtschaftliches Handeln in Deutschland verbinden. Wir sind davon ĂŒberzeugt, dass faires Handeln und hochwertige Produkte kein Widerspruch sein mĂŒssen. Dabei gehen wir gerne als Vorbild vorweg und geben unsere Erfahrungen weiter. Wir wĂŒnschen uns eine aktive UnterstĂŒtzung der Politik fĂŒr eine nachhaltige MobilitĂ€t und UnterstĂŒtzung fĂŒr konkretes Engagement fĂŒr ArbeitsplĂ€tze und gesellschaftliche Teilhabe in EntwicklungslĂ€ndern dieser Welt.“

Philipp Elsner-Krause, GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim Bike-Accessoires-Anbieter Fahrer Berlin:

„Ich sehe bereits ein Umdenken in der Verkehrspolitik und bei der Entwicklung von Infrastrukturprojekten. Jedoch werden viel zu geringe Mittel zum Ausbau der Fahrradinfrastruktur bereitgestellt. Am Beispiel Berlins kann ich sagen, dass viele neue Radwege und Radschutzstreifen errichtet wurden, aber leider nur im Innenstadtbereich und auch nicht in angemessenem VerhĂ€ltnis zum gestiegenen Fahrradverkehr. FĂŒr viele Menschen, die gerne mit dem Rad pendeln wĂŒrden, ist es schlichtweg immer noch viel zu gefĂ€hrlich, das Fahrrad fĂŒr den Weg zur Arbeit zu nutzen. Ich persönlich wĂŒnsche mir deshalb mehr Mittel und eine höhere Reisegeschwindigkeit beim Voranbringen von Infrastrukturprojekten im Bereich Fahrrad und ÖPNV und natĂŒrlich auch Politiker, die gerne selber aufs Fahrrad steigen und moderne MobilitĂ€t vorleben. Positiv stimmen mich Initiativen wie der „Volksentscheid Fahrrad“ und das „Projekt Stadtbahn“, da sie es geschafft haben, viele Menschen zu mobilisieren und somit mehr Druck auf die Politik auszuĂŒben. Des Weiteren wĂŒnsche ich mir Maßnahmen zur Verbesserung der LuftqualitĂ€t in den InnenstĂ€dten. Die Luft in Berlin ist fĂŒhlbar schlecht und stickig, um das zu bestĂ€tigen, braucht es keine Messungen. Leider habe ich persönlich das GefĂŒhl, dass Krankheiten, deren Auslöser mit Schadstoffen belastete Umgebungsluft ist, wissend in Kauf genommen werden. Nicht zu vergessen natĂŒrlich der Wunsch als Unternehmer an die Politik, ein Umfeld sicherzustellen, in dem alle Marktteilnehmer gleichberechtigt behandelt und nicht durch Subventionen in veraltete Technologien Fortschritt gebremst wird und MarktverhĂ€ltnisse ins Ungleichgewicht kommen.“

Hanna Gehlen, Projektmanagerin beim KinderanhÀnger-Hersteller Croozer:

„Wir wĂŒnschen uns, dass der FahrradanhĂ€nger als flexibles und preiswertes Zero-Emission-Fahrzeug fĂŒr Familien, Freunde und Gewerbe in der StĂ€dte- und Verkehrsplanung wahrgenommen und berĂŒcksichtigt wird. Dazu zĂ€hlen breitere Radwege und Radspuren, aber auch passende Abstellanlagen. Nicht nur vor KindergĂ€rten, sondern flĂ€chendeckend auch vor GeschĂ€ften und SupermĂ€rkten.“

Rolf Kathrein-Lehmann, Produktmanager beim Radtaschenspezialist Ortlieb:

„Die zukĂŒnftige Bundesregierung muss dringend eine Strategie fĂŒr eine umweltfreundliche MobilitĂ€t, besonders in StĂ€dten, entwickeln. Der Aktionismus in Form von sofort zur VerfĂŒgung gestellten Milliarden ist durchschaubar, die Heilige Kuh Auto soll – gerade vor einer Wahl – nicht geschlachtet, geschweige denn angefasst werden. Das Thema Diesel und Schadstoffbelastung ist nur ein Teil des Problems. Ein hoher Anteil von Autos in den StĂ€dten, auch wenn es nur E-Autos wĂ€ren, bringt uns nicht weiter. Wir brauchen mehr Platz fĂŒr Radfahrer, FußgĂ€nger und Busse. Der wird nur frei, wenn der Raum nicht von fahrenden oder parkenden Autos belegt ist.“

Der pressedienst-fahrrad hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem guten Fahrrad und dessen Anwendung mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Denn wir sind der Meinung, dass Radfahren nicht nur Spaß macht und fit hĂ€lt, sondern noch mehr ist: Radfahren ist aktive, lustvolle MobilitĂ€t fĂŒr Körper und Geist. Kurz: Radfahren ist LebensqualitĂ€t, Radfahren ist clever und Radfahren macht Lust auf mehr


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