TÜV SÜD: Gut beleuchtet und sicher durch die dunkle Jahreszeit

Ohne die richtige Beleuchtung am Fahrrad sieht es in der dunklen Jahreszeit in Sachen Verkehrssicherheit dĂŒster aus.

MĂŒnchen (ots) – Ohne die richtige Beleuchtung am Fahrrad sieht es in der dunklen Jahreszeit in Sachen Verkehrssicherheit dĂŒster aus. Lichter und Reflektoren gehören besonders im Herbst und Winter, wenn es schon frĂŒh zu dĂ€mmern beginnt, zur Grundausstattung eines verkehrssicheren Fahrrads. Denn Beleuchtungsmuffel gefĂ€hrden nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Florian Hockel, Produktexperte bei TÜV SÜD, gibt Tipps fĂŒr die richtige Fahrradbeleuchtung.

Sehen und gesehen werden

Eine gute Fahrradbeleuchtung gewĂ€hrleistet die eigene Sicht in der Dunkelheit und sorgt auch dafĂŒr, dass der Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern besser wahrgenommen wird. Deshalb ist die richtige Beleuchtung in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) explizit geregelt. Wer in der Dunkelheit ohne Licht unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld von bis zu 35 Euro rechnen.

UnerlĂ€sslich sind ein weißer Scheinwerfer vorne und ein rotes RĂŒcklicht hinten am Fahrrad zur aktiven Beleuchtung. Diese dĂŒrfen abnehmbar sein, mĂŒssen jedoch vor Fahrtantritt ordnungsgemĂ€ĂŸ angebracht werden. Zusatzfunktionen wie Fernlicht, Bremslicht oder Tagfahrlicht sind erlaubt, blinken dĂŒrfen die Lichter allerdings nicht, da sie andere Verkehrsteilnehmende irritieren oder erschrecken könnten.

Reflektoren dienen zusĂ€tzlich als passive Beleuchtung am Fahrrad. Vorne muss ein weißer FrontrĂŒckstrahler, hinten ein roter HeckrĂŒckstrahler (Kategorie “Z”) montiert sein, die jeweils auch in die Scheinwerfer integriert sein dĂŒrfen. Außerdem ist ein gelber Reflektor vorne und hinten an jedem Fahrradpedal vorgeschrieben. Auch die beiden LaufrĂ€der brauchen Reflektoren. Eine Möglichkeit sind die klassischen “Katzenaugen” – zwei um 180° versetzte gelbe SpeichenrĂŒckstrahler an jedem Rad. Etwas dezenter, aber ebenso effektiv sind weiße umlaufende Streifen an beiden Reifen oder Felgen sowie weiß reflektierende HĂŒlsen an jeder Speiche.

Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt

In Deutschland legt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung §67 fest, welches Fahrradlicht zugelassen ist. DafĂŒr muss es verschiedene technische Anforderungen erfĂŒllen, die vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) abgeprĂŒft werden. So muss der Frontscheinwerfer etwa fĂŒr eine BeleuchtungsstĂ€rke von mindestens 10 Lux sorgen. “Verbraucher sollten beim Kauf eines Beleuchtungssets auf den Hinweis ‘StVZO-zugelassen’ und die sogenannte K-Nummer achten”, rĂ€t Florian Hockel. Dieser Code gibt Auskunft darĂŒber, dass eine Fahrradleuchte fĂŒr den Einsatz im Straßenverkehr zugelassen ist und setzt sich aus einem Wellensymbol und der Nummer zusammen, unter der das Modell beim Kraftfahrt-Bundesamt gefĂŒhrt wird.

In der Regel gelangen nur zugelassene Leuchten in den Fachhandel. Es sind allerdings auch Leuchten im Markt, welche keine Zulassung beim KBA besitzen. Wie der Name schon sagt, ist diese Art der Leuchten dann allerdings nicht zulĂ€ssig. Durch die Möglichkeit des Kaufs auf weltweiten Online-Plattformen kommen auch unzulĂ€ssige Leuchten und Produkte auf den Markt, die den Kontrollen der Behörden entgehen. Daher ist es wichtig, schon vor dem Kauf darauf zu achten, dass die Leuchten entsprechend geprĂŒft und zugelassen sind, auch wenn sie aus anderen Regionen der Welt kommen.

So wird das Fahrradlicht richtig angebracht

Aus RĂŒcksicht auf andere Verkehrsteilnehmende mĂŒssen Fahrradscheinwerfer so ausgerichtet sein, dass die Blendgefahr auf ein Minimum reduziert ist. “Besonders bei abnehmbaren Lichtern muss vor jeder Fahrt sichergestellt sein, dass die Ausrichtung stimmt. Der Lichtstrahl sollte in seinem hellsten Punkt ungefĂ€hr zehn Meter vor dem Lenker auf den Boden treffen. So wird verhindert, dass man den Gegenverkehr blendet”, erklĂ€rt Florian Hockel. Dabei gilt: Je höher das Fahrradlicht angebracht wird, desto grĂ¶ĂŸer ist der optimale Neigungswinkel. Eine besonders hohe Reichweite des Lichtstrahls ist bei Fahrradscheinwerfern ĂŒbrigens zweitrangig. Statt das Licht auf einen Punkt zu konzentrieren, ist es wichtig, dass der Nah- und Fernbereich gleichmĂ€ĂŸig ausgeleuchtet werden.

Dynamo- oder batteriebetriebene Fahrradbeleuchtung?

FrĂŒher waren laut StVZO ausschließlich Dynamos fĂŒr den Betrieb von Fahrradleuchten und -lampen erlaubt. Heutzutage gibt es mehr Auswahlmöglichkeiten. Denn nachdem die Technik mit der Zeit immer ausgefeilter wurde, kann inzwischen davon ausgegangen werden, dass auch Batterien und Akkus den Radfahrer nicht im Stich lassen. Deshalb darf die Fahrradbeleuchtung seit 2013 auch akku- oder batteriebetrieben und seit 2017 explizit abnehmbar sein.

Moderne Fahrradleuchten lassen sich bequem ĂŒber USB laden, sind etwas nachhaltiger als batteriebetriebene Leuchten und auch sonst einfach in der Handhabung. Bei Akku- oder Batteriebetrieb muss allerdings der Ladestand im Blick behalten werden, damit Radfahrer nicht auf einmal im Dunkeln stehen. Modelle mit Ladestandsanzeige und das vorausschauende Planen der Fahrradtouren helfen dabei. Abnehmbare Leuchten brauchen tagsĂŒber nicht mitgefĂŒhrt werden, mĂŒssen aber dann einsatzbereit sein, wenn die SichtverhĂ€ltnisse es erfordern.

Zwar bringen moderne Stecklichter viele VorzĂŒge mit sich, trotzdem sollten Radfahrer der altbewĂ€hrten Technik der Dynamos nicht voreilig den RĂŒcken kehren: Inzwischen haben leichtgĂ€ngige Nabendynamos die schwerfĂ€lligen und lauten SeitenlĂ€ufer- oder Felgendynamos weitgehend ersetzt. Diese modernen Dynamos werden mit Muskelkraft angetrieben und haben hĂ€ufig einen kleinen Speicher, der die angeschlossenen Leuchtmittel auch im Stand weiter mit Energie versorgt. Dies bietet mehr Sicherheit, wenn das Rad zum Beispiel an einer Ampel zum Stehen kommt.

Generell haben Dynamos den Vorteil, dass sie eine prinzipiell unerschöpfliche Energiequelle darstellen, umweltschonend sind und sich der Fahrer nicht um geladene Akkus oder Batterien kĂŒmmern muss. DarĂŒber hinaus sind sie wartungsarm und können aufgrund der festen Montage nicht gestohlen oder zu Hause vergessen werden. Immer öfter haben dynamobetriebene Fahrradscheinwerfer auch eine Tagfahrlichtfunktion. “Hier leuchten wenige, kleine LEDs gerade so hell, dass man das Licht erkennt”, so der Produktexperte. Besonders fĂŒr Kinder ist dies ein zusĂ€tzlicher Sicherheitsfaktor, um auch tagsĂŒber besser gesehen zu werden.

ZulĂ€ssig ist ĂŒbrigens auch eine Kombination verschiedener Lichtquellen, beispielsweise ein dynamobetriebenes Front- und ein batteriebetriebenes RĂŒcklicht. Zumindest als Backup macht ein Dynamo am Fahrrad also auch im Zeitalter der LEDs durchaus Sinn.

Das gilt fĂŒr E-Bikes

Bei E-Bikes darf der Antriebsakku auch fĂŒr die Energieversorgung der Lichter verwendet werden, allerdings nur unter einer Voraussetzung: Die Lichtanlage muss auch mit leerem Akku noch funktionieren. Ist keine separate Anlage vorhanden, muss der Antrieb als Generator eingesetzt werden können. Der Elektromotor erzeugt dann durch die Tretbewegung den Strom, der fĂŒr den Betrieb der Beleuchtung gebraucht wird. E-Bikes einiger Hersteller schalten den Motor auch bei einem bestimmten Akkustand ab, sodass noch genug Restenergie vorhanden ist, um die Beleuchtung mit Strom zu versorgen.

Smart unterwegs

“Normalerweise sind hochwertige Frontscheinwerfer bereits ab 30 Euro aufwĂ€rts erhĂ€ltlich. FĂŒr ein gutes RĂŒcklicht kann man etwa die HĂ€lfte ansetzen”, so Florian Hockel. FĂŒr spezielle Modelle mĂŒssen Fahrradfahrer allerdings tiefer in die Tasche greifen. Dazu gehören zum Beispiel Kurvenassistenten und smarte RĂŒcklichter.

FĂŒr E-Bikes gibt es intelligente Kurvenlichtassistenten, die dafĂŒr sorgen, dass sich der Frontscheinwerfer – Ă€hnlich wie beim Auto – in einer Kurve nach links oder rechts mitbewegt. Bisher sind solche Kurvenlichtassistenten nur fĂŒr E-Bikes nachrĂŒstbar, da sie eine gleichmĂ€ĂŸige Spannungsversorgung benötigen und auf einen Akku aufgeschaltet werden mĂŒssen.

Eine weitere Neuerung auf dem Markt sind smarte RĂŒcklichter mit Radar, die den Fahrradfahrer mit visuellen und akustischen Signalen vor Fahrzeugen warnen, die sich von hinten nĂ€hern. Das RĂŒcklicht kann mit einem Radcomputer oder ĂŒber eine App mit dem Smartphone gekoppelt werden, welches den Fahrer dann mit grafischen Darstellungen sowie Ton- und Vibrationsalarmen auf die Geschwindigkeit und Position herannahender Autos hinweist.

Sich sichtbar machen

Die richtige Fahrradbeleuchtung ist unerlĂ€sslich fĂŒr die eigene Sicherheit. “Wer dazu noch helle oder sogar reflektierende Kleidung und einen Helm mit integrierter RĂŒckleuchte trĂ€gt, erhöht seine Sichtbarkeit im Straßenverkehr um ein Vielfaches”, rĂ€t Florian Hockel abschließend.

Weitere Informationen gibt es unter https://ots.de/qmcsvR.

Original-Content von: TÜV SÜD AG, ĂŒbermittelt durch news aktuell

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