Der neue VW Polo GTI

Ein hei├čer Termin im Fotostudio f├╝r Blogger Benjamin Brodbeck (27): Der Herausgeber von AUTOmativ.de kam extra aus Wien nach Wolfsburg zur Sitzprobe im neuen Polo GTI1. Hier kommt sein Sitz-Bericht:

Drei Mal klopfen – und warten. Erst dann geht die Stahlt├╝r des VW-internen Fotostudios auf. W├Ąhrend der wei├če Raum vor mir in glei├čendes Licht geh├╝llt ist, ergreifen mich Erinnerungen an meine eigene Zeit im Studio. Nicht nur der hohe Lichtkontrast, sondern auch die schalld├Ąmpfende Akustik h├╝llen diese Orte immer in eine besondere Stimmung. Im Scheinwerferlicht steht an diesem Tag ein Automobil mit drei magische Buchstaben. F├╝r mich genug Motivation, den langen Weg von Wien nach Wolfsburg an einem Tag auf mich zu nehmen. Der neue VW Polo GTI erwartet mich ÔÇô jetzt!

Die Studioscheinwerfer heizen richtig ein

Erwartet hatte ich den neuen GTI in Flash Rot. Aber es muss ja nicht immer typisch sein. Und so reflektiert das intensive ÔÇ×Reef Blau” die ausgestrahlten Photonen. Je nach ihrem Treffwinkel und ihrer Intensit├Ąt wandelt sich die Au├čenhaut vom tiefen Dunkelblau bis hin zum hellen Azzurro. So es in letzterem Zustand seinem eigentlichen Namen alle Ehre macht.

Damit ist auch der Kontrast der in Rot gehaltenen, GTI-typischen Elemente immer ein anderer. Die optisch verbreiterte Front zieren – neben dem Wabengitter – die bis in die Voll-LED-Scheinwerfer hineinragende rote Spange und ausgepr├Ągte Lufteinl├Ąsse.

Beim ersten Nahkontakt wird mir schnell klar: jetzt wird es hei├č. Nicht nur das Wissen ├╝ber das – noch – stille Zweiliter-Aggregat aus dem gr├Â├čeren GTI-Bruder der Golf-Baureihe mit 200 PS l├Ąsst beim Herantreten an die Motorhaube meine Fingerspitzen kribbeln und das Wasser in meine Handfl├Ąchen laufen. Auch die Profi-Strahler hinter mir haben ihren Anteil an der sprunghaften Erh├Âhung meiner K├Ârpertemperatur: Nach f├╝nf Minuten im Licht der Scheinwerfer koche ich genauso wie bei der Mitfahrt im Golf GTI TCR ├╝ber den Hockenheimring.

Mit knackigem Fahrwerk

Jeder verbindet GTI unweigerlich mit Sportlichkeit. Und Sportlichkeit dr├╝ckt ein Auto immer auch mit Hilfe seines Fahrwerks aus. Schon sein Vorg├Ąnger sa├č mit einem tieferen Fahrwerk knackig auf der Stra├če und unterhielt die Vogesen bei einer meiner Ausfahrten mit der besten Sportschau, die diese bisher gesehen hatten.

Sein Nachfolger f├╝hrt diese Tradition fort und senkt seine Karosserie um 15 Millimeter – nicht zuletzt auch f├╝r ein adaptives Fahrwerk. Dazu kommen zur├╝ckhaltende Schwellerverbreiterungen, das rote GTI-Logo an den Flanken und die bis zu 18 Zoll gro├čen Felgen. Dahinter markieren rote Bremss├Ąttel ihr Revier und warten auf den Ausbruch aus dem langweiligen Studioalltag.

Damit der Hintern unten bleibt

Dank der Fahrwerkstieferlegung und der gro├čen Felgen sitzt der Polo GTI satt auf dem Studioboden. Damit dies auch bei 237 Km/h H├Âchstgeschwindigkeit gegen den Fahrtwind so bleibt, betont ein gr├Â├čerer Dachkantenspoiler die oberste Abrisskante der Heckpartie.

St├Ârende Verwirbelungen werden damit hinausgez├Âgert und dazu angehalten, stattdessen das Heck zu stabilisieren. Zusammen mit den dunklen R├╝ckleuchten, dem doppelflutigen Endrohr sowie dem angedeuteten Diffusor steht der kleine Starke auch aus dieser Perspektive satt auf dem Boden.

ÔÇ×Clark” f├Ąhrt in einem GTI stets mit!

Genug der ├äu├čerlichkeiten. Schlie├člich hatte ich meine halbhohen Fahrerschuhe nicht f├╝r den Studioboden angezogen.

Auch wenn ich wei├č, dass ein Erwachen der Maschinerie an diesem Tag keine Option ist, will ich wenigstens das statische Gef├╝hl so authentisch wie m├Âglich gestalten.

Meine H├Ąnde umfassen das mit rotem Faden im Kreuzmuster gen├Ąhte Multifunktionslenkrad aus Leder. Dahinter ber├╝hren meine jeweils drei mittleren Finger die Schaltwippen – DSG ist also in diesem Fall am Start. Mit dem Doppelkupplungsgetriebe beschleunigt der Polo GTI in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 Km/h – das ist schneller als ich erwartet hatte. F├╝r Freunde der h├Ąndischen Gangwahlkunst reicht Volkswagen n├Ąchstes Jahr die passende L├Âsung nach.

Der rote Faden des Lenkrads zieht sich genau so schl├╝ssig durch wie das Karomuster ÔÇ×Clark”: Es bedeckt jeden vollwertigen Sitzplatz mit zahlreichen rechten Winkeln. Die Sitzwangen umschlie├čen mich nicht nur auf den Vordersitzen exzellent sondern sind auch auf der R├╝ckbank unterst├╝tzend ausgearbeitet. Zu Viert ab durch die Kurve? Scheint m├Âglich.

Allgemein umfasst mich das f├╝nft├╝rige GTI-Derivat – dank der tiefen Sitzposition – wohlig sportlich. Meine Finger streichen immer wieder leicht ├╝ber den Start-Knopf neben dem W├Ąhlhebel und melden ein eindeutiges Signal. Doch ich beherrsche mich, drifte stattdessen ab und erinnere mich. Am Tag zuvor hat mir mein Namensbruder und Rennfahrer Benjamin Leuchter vorgeschw├Ąrmt, vom ausgewogenen Handling auf der Nordschleife: Mit elektronischer Frontsperre XDS, mit breiterer Spur und der Power des Zweiliter-Aggregates. Toll Benjamin, ich will auch. Jetzt sofort! Doch die Vernunft in Kombination mit den Rahmenbedingungen des gesicherten Fotostudios siegt.

Ich bin mir derweil – nicht nur aufgrund seiner Erz├Ąhlungen – sicher, dass der Spa├č mit diesem sportlichen Alltagshelden garantiert ist.

Die Gewissheit dazu werde ich leider erst im Dezember erfahren. Dann d├╝rfen auch Journalisten den neuen Polo GTI auf der Stra├če erleben. Bestellen kann man ihn schon fr├╝her. In der Zwischenzeit bleibt die Spannung so hoch wie die Temperatur im Studio.

1Die seriennahe Studie wird noch nicht zum Verkauf angeboten und unterliegt daher nicht der Richtlinie 1999/94 EG.

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