Bordcomputer: GefĂ€hrliche Ablenkungen im Straßenverkehr

GefĂ€hrliche Ablenkungen im Straßenverkehr | Bordcomputer

Viele Autobauer und Fahrer betrachten den Bordcomputer mit Touchscreen im Straßenverkehr als das Nonplusultra des digitalen Komforts im Cockpit.

(TRD/MID) – Viele Autobauer und Fahrer betrachten den Bordcomputer mit Touchscreen im Straßenverkehr als das Nonplusultra des digitalen Komforts im Cockpit. Aber nicht selten ist die Erreichbarkeit von Bedienelementen erschwert, wenn sie irgendwo im MenĂŒ versteckt sind. Das Suchen und Finden sorgt fĂŒr Ablenkung – besonders in Fahrzeugen, mit denen man nicht vertraut ist. Sicherheitsexperten melden daher Bedenken an.

FĂŒr den Verkehrssicherheitsreport 2023 „Technik und Mensch“, der zahlreiche Problem-Felder im Bereich der Mensch-Maschine-Schnittstelle nĂ€her beleuchtet, hat die Expertenorganisation Dekra unter anderem eine Probandenstudie in unterschiedlichen Cockpits durchgefĂŒhrt. „GrundsĂ€tzlich reduzieren innovative Touchscreen-Technologien mit intelligenter BenutzerfĂŒhrung die Zahl fehlerhafter Eingaben und die Eingabezeiten, wodurch gleichzeitig Verkehrssicherheitsrisiken zum Beispiel durch Ablenkung minimiert werden können“, rĂ€umt Dekra-Verkehrspsychologe Dr. Thomas Wagner ein.

Quelle: Youtube

Die Studie der Allianz zur Ablenkung am Steuer zeigt: Das Unfallrisiko erhöht sich durch die Bedienung moderner Kommunikationsmittel wĂ€hrend der Autofahrt um 50 Prozent. Kontrovers begleitet Verkehrspolizisten und besucht einen Fahrsimulator, um herauszufinden, welche Rolle die Ablenkung am Steuer im Straßenverkehr tatsĂ€chlich spielt und welche Folgen sie haben kann.

Autoren: Anna Feininger; Hans Hinterberger
Aus der Kontrovers-Sendung vom 1.3.2023

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Jedoch: „Das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn aufgrund des fehlenden haptischen Feedbacks bei Touchscreens in modernen Fahrzeugen kann sich die Ablenkungszeit vergrĂ¶ĂŸern, weil meist eine lĂ€ngere Blickzuwendung notwendig ist.“ Ein weiteres Problem sieht der Verkehrspsychologe darin, dass jeder Hersteller fĂŒr sich selbst definiert, wie eine intuitive BenutzerfĂŒhrung bei der Fahrzeugbedienung via Touchscreen aussieht. Daher gebe es erhebliche Unterschiede bezĂŒglich MenĂŒfĂŒhrung und Benennung. WĂŒrden Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller gefahren, wie etwa bei der Nutzung von Mietwagen oder beim Carsharing, seien Probleme programmiert.

Um aufzuzeigen, welche Herausforderungen moderne Bedienkonzepte in heutigen Fahrzeugen tatsĂ€chlich mit sich bringen, hat die Dekra-Unfallforschung in einem Test 80 Personen vor sicherheitsrelevante Bedienaufgaben in zwei Versuchsfahrzeugen gestellt. Exemplarisch wurden hierfĂŒr zwei Generationen eines Modells mit hohen Verkaufszahlen und Neuzulassungen in Deutschland ausgewĂ€hlt. So war sichergestellt, dass die Probanden nicht mit zwei vollkommen unterschiedlichen Bedienphilosophien konfrontiert werden. Die beiden Versuchsfahrzeuge hatten einen Altersunterschied von zehn Jahren (Baujahre 2012 und 2022). Die Versuche wurden im Stand bei eingeschalteter ZĂŒndung durchgefĂŒhrt.

Zu meistern waren Aufgaben wie unter anderem das Einschalten des Scheibenwischers, der FrontscheibenbelĂŒftung, des Radios, der Heckscheibenheizung, des Abblendlichts oder der Nebelscheinwerfer. Dabei zeigte sich, dass die Probanden im neueren Fahrzeug fĂŒr alle gestellten Aufgaben im Durchschnitt viel mehr Zeit benötigten – teilweise sogar mehr als doppelt so lange. Konnte die jeweilige Bedienaufgabe nicht innerhalb von 30 Sekunden gelöst werden, erfolgte der Abbruch des Versuchs. Dies war bei deutlich mehr Probanden im neueren Fahrzeug der Fall.

Beklagt wurden die Reaktionszeit des Touchdisplays und der berĂŒhrungssensitiven SchaltflĂ€chen ebenso wie das fehlende haptische Feedback insbesondere der sensitiven SchaltflĂ€chen. Der Lernaufwand, den die neuen Bedienkonzepte von den Fahrern verlangen, wird von den Probanden als recht hoch eingeschĂ€tzt – insbesondere fĂŒr Ă€ltere Menschen. Speziell fĂŒr Menschen, die eine Lesebrille tragen, kann das moderne Bedienkonzept auch ein sicherheitsrelevantes Problem darstellen.

Nach Ansicht des Verkehrspsychologen stehen die Fahrzeughersteller und Entwickler vor einer großen Herausforderung: „Auf der einen Seite soll die Bedienung so intuitiv wie möglich sein, gleichzeitig mĂŒssen immer mehr Funktionen und Einstellmöglichkeiten im Bedienkonzept Platz finden.“ Dringend erforderlich sei deshalb die herstellerunabhĂ€ngige Standardisierung vor allem sicherheitsrelevanter Funktionen bezĂŒglich der Anordnung und der Handhabung der jeweiligen Elemente im Cockpit.

© Global Press Nachrichtenagentur und Informationsdienste KG (glp) trd mobil / Redakteur: Lars Wallerang

ĂŒbermittelt durch den TRD Pressedienst

 

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