Tacho-Manipulation: Darauf sollten Sie achten

ARAG Experten geben Tipps fĂŒr den Erwerb eines Gebrauchtwagens

GebrauchtwagenhĂ€ndler haben in puncto GlaubwĂŒrdigkeit nicht den allerbesten Ruf. Ob dieses alte Vorurteil gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass an vielen zum Verkauf stehenden Gebrauchtwagen der Kilometerstand geschönt ist. Die Polizei schĂ€tzt, dass der Kilometerstand bei rund 30 Prozent der Gebrauchtwagen, die in Deutschland jĂ€hrlich den Besitzer wechseln, manipuliert wurde. ARAG Experten sagen, worauf Sie beim Kauf eines Gebrauchten achten sollten.

Tacho-Manipulation ist kinderleicht
Zu Großvaters Zeiten benötigte man noch eine Bohrmaschine, um die Kilometerwalze des Tachometers zurĂŒckzudrehen. Die analoge Kilometerwalze hat aber lĂ€ngst digitaler Technik Platz gemacht. Darum haben auch die Trickser aufgerĂŒstet. Mit Spezial-Software kann der Kilometerstand an fast jedem Fahrzeugtyp beliebig verstellt werden. Das ist zwar seit 2005 in jedweder Art und Weise verboten; aber man muss den Betrug erst einmal bemerken und beweisen. Vor 2005 war das ZurĂŒckstellen von KilometerstĂ€nden nur dann verboten, wenn eine betrĂŒgerische Absicht dahinter steckte. Das allerdings war noch schwerer nachzuweisen.

Wie können Sie sich schĂŒtzen?
Wenn die SchĂ€tzungen der Polizei und des TÜV stimmen, wechseln jĂ€hrlich 1,8 Millionen Fahrzeuge mit manipuliertem Kilometerstand den Besitzer. Der Schaden wird auf durchschnittlich 3.000 Euro pro Auto geschĂ€tzt – insgesamt wĂ€ren das rund sechs Milliarden Euro! Wer einen Gebrauchtwagen kaufen will, sollte also Vorsicht walten lassen.

ARAG Experten sagen, wie:

  • Nehmen Sie den Wagen grĂŒndlich in Augenschein! Abgefahrene Reifen, ein abgegriffenes Lenkrad und zerschlissene Sitze passen nicht zu einem geringen Kilometerstand.
  • PrĂŒfen Sie das Serviceheft des Pkw auf PlausibilitĂ€t. Aber Achtung! Gewitzte BetrĂŒger kaufen ein Blanko-Scheckheft und lassen sich Stempel anfertigen. Zur Kontrolle sollten Sie daher obendrein bei der zustĂ€ndigen Werkstatt nachfragen.
  • WerkstĂ€tten notieren auf dem Service-Zettel das Datum des letzten Ölwechsels und die Laufleistung. Zeigt der Tacho eine niedrigere Zahl an als der Service-Zettel, ist ganz bestimmt etwas faul.
  • Ist der VerkĂ€ufer nicht der Vorbesitzer, sondern ein HĂ€ndler? Dann unbedingt den Vorbesitzer anrufen – der steht im Fahrzeugbrief. Lassen Sie sich von ihm die Laufleistung nennen, mit der er den Wagen abgegeben hat.
  • In den TÜV-Berichten finden Sie ebenfalls immer Datum und Laufleistung.
  • Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte den Gebrauchtwagen beim Fachmann auf Herz und Nieren prĂŒfen zu lassen – TÜV und Dekra bieten einen solchen Dienst fĂŒr 50 bis 100 Euro an.
  • FĂŒr spĂ€tere AnsprĂŒche verlassen Sie sich beim Kaufvertrag nicht auf Angaben wie “Kilometerstand laut Tacho” oder “Kilometerstand abgelesen”. Bestehen Sie auf Angabe der “tatsĂ€chlichen Laufleistung” im Kaufvertrag.

Mit Technik oder Datenbank gegen Tacho-Betrug?
Der grĂ¶ĂŸte deutsche Automobilclub fordert von der Autoindustrie, die Tachomanipulation durch WerkstĂ€tten, AutohĂ€ndler und andere auf technischem Wege zu verhindern. Kritiker meinen jedoch, das wĂŒrde lediglich zu einem WettrĂŒsten fĂŒhren: Immer sicherere Tachos fĂŒhren zu immer trickreicheren Manipulationen. Eine andere Sicherung wĂ€re die Datenbanklösung, bei der zu jedem Auto unverĂ€nderbare KilometerstĂ€nde dokumentiert werden. Auch wenn es in Deutschland noch keine gesetzlich verpflichtende Datenbanklösung gibt, können Autofahrer doch auf freiwilliger Basis eine Kilometerstandshistorie ihres Fahrzeugs anlegen. Das schafft beim spĂ€teren Verkauf des Autos Vertrauen gegenĂŒber potenziellen KĂ€ufern und hilft dabei, einen guten Verkaufspreis zu erzielen. Lösungen dafĂŒr finden Sie im Internet.

Mehr zum Thema:
https://www.arag.de/service/infos-und-news/rechtstipps-und-gerichtsurteile/auto-und-verkehr/

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