Highspeed Hommage

Highspeed Hommage

Vor wenigen Wochen hat Rod Emory mit dem 356 RSR sein bisher ambitioniertestes Umbauprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Porsche Newsroom erzĂ€hlt er von den HintergrĂŒnden.

Seit 1996 bauen die Experten von Emory Motorsports in North Hollywood die, wie sie selbst sagen, „individuellsten Porsche 356 der Welt“. Doch kein Fahrzeug lotet die Grenzen des technisch Möglichen so aus und stellt gleichzeitig die Toleranz traditionsbewusster Porsche-Enthusiasten so auf die Probe wie der 356 RSR.

GeschĂ€ftsinhaber Rod Emory erklĂ€rt: „Der RSR ist ein Hot Rod, bei dem es fĂŒr uns keine Grenzen gab. Zu viele Menschen sorgen sich darum, was andere Leute denken könnten. Ich möchte Autos nach meinen Vorstellungen bauen – die einen werden es lieben, die anderen werden es hassen. Aber ich denke, dass sie letztendlich alle die Liebe zum Detail, die VerarbeitungsqualitĂ€t und die Handwerkskunst zu schĂ€tzen wissen.“


356 B Coupé (1960), 2019, Porsche AG
Vor dem Umbau zum „individuellsten Porsche 356 der Welt”

Anfangs war das Auto nicht mehr als ein verrostetes 356 B CoupĂ©, Baujahr 1960. FĂŒr Emory und sein Team war es quasi wie eine weiße Leinwand, die sie in ein Kunstwerk verwandeln wollten. „Wir wollten ein spannendes, spaßiges und irgendwie verrĂŒcktes Fahrzeug aus den besten Teilen verschiedener Porsche-Modelle und -Baujahre erschaffen“, berichtet Emory.

Dabei kamen die besonderen FĂ€higkeiten des Teams ins Spiel: Die verrostete Karosserie des Original-Fahrzeugs wurde durch eine Karosserie aus breiteren Aluminiumblechen mit aggressiverem Profil ersetzt, wobei einige Bereiche von Hand auf einer Rollenstreckmaschine angefertigt wurden – ein Ă€hnliches Verfahren kam seinerzeit bereits im damaligen Porsche-Werk in GmĂŒnd zum Einsatz.


Rod Emory, 2019, Porsche AG
Der 356 RSR war das bisher ambitioniertestes Umbauprojekt von Rod Emory

Die komplett neue Karosserie wurde anschließend sorgfĂ€ltig auf das Chassis eines 1990 964 C2 gesetzt. So konnte Emory den Wagen mit einem extrem sportlich abgestimmten KW-Gewindefahrwerk, breiteren und gripstĂ€rkeren Reifen und den grĂ¶ĂŸeren Bremsen des 964 ausstatten – notwendige Umbaumaßnahmen, um die Leistung des vom 911 abgeleiteten Vierzylinder-Biturbo-Motors mit fast 400 PS sicher auf die Straße zu bringen.

Der Motor ist genau wie die abnehmbare Aluminiumkarosserie eine komplette Sonderanfertigung. Er wurde in Zusammenarbeit mit Rothsport Racing aus Oregon entworfen und gebaut und entspricht in seiner Bauweise vollstĂ€ndig dem Motor des 964. Allerdings wurden ein neues MotorgehĂ€use und eine neue Kurbelwelle entwickelt, damit der Motor auf vier Zylinder verkleinert werden konnte – denn schließlich handelt es sich noch immer um einen 356. Zwei Garrett-Turbolader sorgen dafĂŒr, dass es zu keinen Leistungseinbußen kommt.


356 RSR, 2019, Porsche AG
Einmalig: Der Motor und die abnehmbare Aluminiumkarosserie sind Sonderanfertigungen

Die beiden Turbolader sind an einer markanten Stelle am Heck angebracht und erinnern damit an den Porsche 935. Und das ist kein Zufall. Emory betont, dass der RSR von zahlreichen ikonischen Porsche-Modellen inspiriert ist: „Einige Designelemente erinnern an die alten Abarth Carrera, wohingegen sich das Heck am 935 orientiert. Bei den geneigten vorderen KotflĂŒgeln und den Frontscheinwerfern haben wir das Design des 996/997 aufgegriffen und sogar eigens spezielle Momo-RĂ€der mit Zentralverschluss-Felgen im Stil des 935 oder 956 gebaut.“


356 RSR, 2019, Porsche AG
Die Momo-RĂ€der mit Zentralverschluss-Felgen sind im Stil des 935 oder 956

Und die Detailverliebtheit von Emory Motorsports geht noch weiter. Die Fußpedale und LufteinlĂ€sse sowie das Armaturenbrett des Wagens sind, wie in einem 917, aus bernsteinfarbenem Fiberglas gefertigt. Rechts neben den zeitgenössischen ZifferblĂ€ttern befindet sich ein RĂ€ndelknopf zur Ladedruckregelung aus einem 935 und die speziell angefertigten Schalensitze sind mit einer Art Nomex-Bezug versehen, der dem im originalen 908 verwendeten Material Ă€hnelt.


356 RSR, 2019, Porsche AG
Detailverliebtheit im Innenraum

Das Ergebnis ist ein Auto, das eine Hommage an die Motorsportgeschichte von Porsche darstellt und gleichzeitig typisch kalifornisch daherkommt. Dementsprechend ist auch der Veranstaltungsort der sechsten Ausgabe von „LuftgekĂŒhlt“, wo dieser spezielle Umbau seine Premiere feiert, fĂŒr Emory etwas ganz Besonderes, und das nicht nur, weil er und 5.000 seiner „engsten Freunde“ Zugang zu den Außensets der Universal Studios erhalten. Es geht noch um viel mehr.


Jeff Zwart, Rod Emory, l-r, LuftgekĂŒhlt 6, Universal Studios, Los Angeles, 2019, Porsche AG
Rod Emory (zweiter von links) bei der sechsten Ausgabe von LuftgekĂŒhlt mit Jeff Zwart (links)

„Dieser Ort ist fĂŒr mich etwas ganz Besonderes, weil mein Großvater hier in Burbank einen alten Custom Shop betrieben hat“, erzĂ€hlt Emory, wĂ€hrend er stolz die Menschentrauben betrachtet, die sich rund um seinen RSR gebildet haben. „Hier entstanden die ersten Hot Rods und genau diese Kultur hat es mir ermöglicht, alles, was ich an Porsche so liebe, in diesem speziellen 356 zu verwirklichen.“

Der Wagen mag ĂŒbertrieben sein, aber er ist auch eine wunderbare LiebeserklĂ€rung an alte und neue Porsche-Modelle. Etwas, das selbst Porsche-Puristen ein LĂ€cheln ins Gesicht zaubern dĂŒrfte.

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