Wandel der MobilitĂ€t hat deutliche Folgen fĂŒr die Automobilzulieferer

MĂŒnchen/Frankfurt (ots) – Auf dem zweiten Diesel-Gipfel in Berlin wurde die weitere Förderung der ElektromobilitĂ€t in Deutschland beschlossen – fĂŒr abgasgeplagte StĂ€dte eine gute Nachricht. FĂŒr die Automobilindustrie und vor allem die Automobilzulieferer steigt dagegen der Druck, das eigene GeschĂ€ftsmodell zu verĂ€ndern. Denn nicht nur die E-MobilitĂ€t, auch die Megatrends Shared Mobility, autonomes Fahren und Digitalisierung zeigen immer stĂ€rker ihre disruptive Wirkung. Zu diesem Schluss kommt die neue “Global Automotive Supplier Study 2018”, fĂŒr die Roland Berger und Lazard weltweit rund 650 Zulieferer analysiert haben.

“Zulieferer mĂŒssen sich mit Hochdruck mit dem Wandel befassen, der auf sie zukommt”, warnt Felix Mogge, Partner bei Roland Berger. “Im Moment lĂ€uft ihr GeschĂ€ft noch gut und diese positive Entwicklung sollten sie jetzt nutzen, um sich auf die Zukunft vorzubereiten.” So konnten die Automobilzulieferer in diesem Jahr ihren Umsatz gegenĂŒber 2016 nochmals um 3 Prozent steigern; ihre durchschnittliche EBIT-Marge verharrte mit rund 7,3 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Allerdings zeigt der globale Automobilmarkt in einigen Regionen bereits erste Bremsspuren. So dĂŒrfte die Zahl der in Nordamerika produzierten Pkw und leichten Nutzfahrzeuge 2017 um 3 Prozent sinken – auf 17,4 Millionen Fahrzeuge.

“Die derzeit noch positive Marktlage spiegelt sich in Unternehmensbewertungen wieder, die in der Zulieferbranche aktuell immer noch ĂŒber dem historischen Durchschnitt liegen”, sagt Christof Söndermann, Direktor bei Lazard. “Allerdings sorgt der sich durch die Megatrends abzeichnende Wandel bereits fĂŒr erhebliche Unsicherheit in nahezu allen Bereichen der Zuliefererindustrie.”

Wichtige Trends verÀndern die MobilitÀt der Zukunft

In der Automobilindustrie entfalten mehrere wichtige Trends zeitgleich ihre Wirkung: So hat die Bundesregierung beim zweiten Diesel-Gipfel Maßnahmen festgelegt, um die E-MobilitĂ€t in Deutschland stĂ€rker voranzutreiben. Ähnliche Initiativen gibt es auch in anderen LĂ€ndern. Die Experten von Roland Berger und Lazard gehen daher davon aus, dass der prozentuale Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen in Europa bis 2025 etwa ein Drittel betragen wird. In China könnten es sogar bis zu 47 Prozent werden.

Gleichzeitig beschleunigt sich auch die Entwicklung beim autonomen Fahren: Die wirtschaftlichen, technologischen und gesetzlichen Voraussetzungen dafĂŒr sind mittlerweile in vielen LĂ€ndern vorhanden. Die Experten gehen davon aus, dass Fahrzeuge in den oberen Autonomiestufen in 15-20 Jahren einen substanziellen Marktanteil erreichen werden – möglicherweise bis 25 Prozent weltweit. “Dazu kommt der Trend in Richtung Digitalisierung und KonnektivitĂ€t der Fahrzeuge”, sagt Felix Mogge. “Das wird zu einem Wandel der Zuliefererindustrie von der Hardware in Richtung Software-Entwicklungen fĂŒhren.”

Und schließlich muss sich die Automobilindustrie mit neuen MobilitĂ€tsmodellen wie z.B. Car Sharing auseinandersetzen. Erwartungen zufolge dĂŒrfte der PKW-Absatz in diesem Bereich in Europa bis 2025 einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent erreichen. Damit werden die traditionellen Konzepte von Fahrzeugbesitz, Individualverkehr und Warenlogistik zunehmend in Frage gestellt. Die Zahl verkaufter Neufahrzeuge könnte dadurch langfristig sinken.

Automobilzulieferer am Wendepunkt

FĂŒr die Automobilzulieferer bedeuten diese Trends langsameres Wachstum, schnelleren technologischen Fortschritt, Software als Differenzierungsfaktor und steigenden Druck auf Anbieter standardisierter Komponenten. “Der Wandel zwingt die Zulieferer, gleichzeitig in alte und neue Technologien zu investieren”, sagt Mogge. “Das ist fĂŒr die meisten Zulieferer ein erheblicher finanzieller Kraftakt mit offenem Ausgang. Denn zeitgleich sinken die Margen vieler Produkte. Andererseits bietet etwa die voranschreitende Digitalisierung auch neue GeschĂ€ftschancen.”

Automobilzulieferer, die profitable GeschĂ€ftsmodelle fĂŒr ihr Unternehmen etablieren wollen, sollten daher analysieren, wie sich die automobilen Megatrends auf ihr GeschĂ€ft auswirken und mit welchem Mix aus neuen und bestehenden Produkten sie kĂŒnftig weiter wachsen können. Dabei mĂŒssen Firmen auch erwĂ€gen, ob sie aus bestimmten Marktsegmenten komplett aussteigen oder eine aktive Konsolidierungsrolle einnehmen. Solche grundsĂ€tzliche Überlegungen erklĂ€ren auch die lebhaften M&A-AktivitĂ€ten in der Branche. Innovationspartnerschaften werden immer wichtiger. Doch die Zeit drĂ€ngt. Viele Kooperationen wurden bereits geschlossen.

“ZusĂ€tzlicher Druck auf die Zulieferer kommt von den OEMs. Auch ihr GeschĂ€ftsmodell ist von den Megatrends bedroht”, beobachtet Michael Schmidt, Direktor bei Lazard. “Daher konkurrieren in den neuen Wachstumssegmenten Shared Mobility, autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektrifizierung beide um dieselben potenziellen Partner und Akquisitionsziele. Ebenso ist die Verteilung der Wertschöpfungskette und die Tiefe der vertikalen Integration, etwa beim Elektromotor oder der Fahrerassistenz-Software, noch lange nicht abschließend geklĂ€rt.”

Die Studie können Sie herunterladen unter www.rolandberger.de/pressemitteilungen

Roland Berger, 1967 gegrĂŒndet, ist die einzige der weltweit fĂŒhrenden Unternehmensberatungen mit deutscher Herkunft und europĂ€ischen Wurzeln. Mit rund 2.400 Mitarbeitern in 34 LĂ€ndern ist das Unternehmen in allen global wichtigen MĂ€rkten erfolgreich aktiv. Die 50 BĂŒros von Roland Berger befinden sich an zentralen Wirtschaftsstandorten weltweit. Das Beratungsunternehmen ist eine unabhĂ€ngige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 220 Partnern.

Lazard ist eine der weltweit fĂŒhrenden Financial Advisory und Asset Management Firmen und an 43 Standorten in 27 LĂ€ndern in Nordamerika, Europa, Asien, Australien sowie Zentral- und SĂŒdamerika tĂ€tig. Die Geschichte von Lazard reicht bis 1848 zurĂŒck. Heute bietet Lazard Beratung in den Bereichen M&A, Strategie, Restrukturierung und Kapitalstruktur, Kapitalerhöhung und Corporate Finance sowie Asset Management-Dienstleistungen fĂŒr Unternehmen, Partnerschaften, Institutionen, Regierungen und Privatpersonen. Mehr Informationen zu Lazard finden Sie auf www.lazard.com. Folgen Sie uns unter @Lazard.

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