Liebe zum Detail: Porsche Heritage Design Edition

Porsche Heritage Design Edition

Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte. Wer mit der neuen Targa 4S Heritage Design Edition auf den Straßen unterwegs ist, wird wissen, wovon ich spreche.

Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte. Wer mit der neuen Targa 4S Heritage Design Edition auf den Straßen unterwegs ist, wird wissen, wovon ich spreche. Die Menschen begegnen einem mit Vertrautheit und Freude, gepaart mit einem Funken Erstaunen: „Was ist das denn?“ VerstĂ€ndlich, denn viele Designelemente erinnern an die puristischen 550- und die frĂŒhen 356-Modelle, sowie die ersten Targa der frĂŒhen 60er-Jahre. Doch sprechen wir von einem hochmodernen Porsche 911 im heutigen Zeitalter.

Als SachverstĂ€ndige und Oldtimer-Expertin habe ich das große GlĂŒck tagtĂ€glich ganz besondere Fahrzeuge untersuchen und testen zu dĂŒrfen. Der Fokus meiner Arbeit liegt neben den technischen Aspekten ebenso auf der ÜberprĂŒfung vieler kleinen Details auf ihre OriginalitĂ€t. Hinzu kommt eine umfangreiche Historien-Recherche, denn erst die Geschichte erweckt ein Fahrzeug zum Leben. Die Liebe zum Detail versteht sich daher als selbstverstĂ€ndlich und genau hier möchte ich einsteigen – im Detail.

Um nun die besonderen Elemente der Heritage Design Edition unter die Lupe zu nehmen, habe ich ein frĂŒhes Targa Modell von 1971 mit 2.2 Liter-Motor und  Schwarz/Schwarz-Pepita-Sitzen als Referenz hinzugezogen. Stehen beide Fahrzeuge nebeneinander, so fallen viele Parallelen auf. Eines der markantesten Merkmale sind die Felgen. Auf dem einen: die traditionelle Fuchs-Felge, das erste geschmiedete Aluminiumrad der Welt. Auf dem anderen: die moderne Interpretation dieser berĂŒhmten Felge, welche nun ins 21. Jahrhundert ĂŒbertragen wird.

Meinerzhagen ist nicht weit von unserem IngenieurbĂŒro Kukuk, entfernt und so fĂŒhren wir eine besondere Beziehung zur Schmiede von Otto Fuchs. Durch Innovation und geschicktem Handwerk hat Otto Fuchs es geschafft eine neue Form der Felgenherstellung, das Schmieden einer Aluminium-Legierung aus einem StĂŒck, zu etablieren. Große Gewichtsreduktionen waren das Resultat. Schon als SechsjĂ€hrige hatte ich die berĂŒhmte Fuchs-Felge immer mit dem Porsche 911 in Verbindung gebracht und war irritiert, wenn ein Porsche andere RĂ€der montiert hatte. Bis heute ist das FlĂŒgelrad-Design weltweit als die “Fuchs- Felge”, bekannt.

Laura Kukuk, 911 Targa 4S Heritage Design Edition, 2020, Porsche AG

FĂŒr die Heritage Design Edition wurde das FlĂŒgelrad in Kleeblatt-Form wiederaufgenommen und neu interpretiert. Sowohl die schwarzen Hochglanz Elemente wie auch die blanken Aluminiumflanken lassen die Assoziation zu. Um es besonders klassisch zu halten sind die BremssĂ€ttel schwarz lackiert. Sie treten somit unauffĂ€llig in den Hintergrund. Die Radnabe wird von dem traditionellen Porsche-Logo von 1963 geziert. Tipp: Die klassische Fuchs-Felge kann man bis heute bei Porsche Classic erwerben.

Als Ingenieurin bin ich insbesondere von der Konstruktion des Targa-Dachs schlichtweg beeindruckt. Nein, jetzt rede ich nicht von dem historischen Targa-BĂŒgel mit kleinem, hĂ€ndisch abnehmbarem Dach und dem Softwindow zum Einklappen, das damals ein Meilenstein war. Es ist wahre Ingenieurskunst einen Mechanismus zu entwickeln, der die 13 Kilo schwere Heckscheibe nach hinten öffnet, sie geschmeidig ĂŒber den Targa-BĂŒgel hebt, elegant verstaut – und das alles in gerade einmal 15 Sekunden.

ZurĂŒck auf dem Fahrersitz ist man umgeben von einer Bi-Colour Innenausstattung, SitzflĂ€chen und TĂŒrinnenverkleidungen aus Kord, perforiertem Leder im Dachhimmel sowie den A-SĂ€ulen und den Armaturen aus Lederverkleidung. Ein optischer Hingucker ist auch das historische Porsche-Wappen, das sich sowohl auf dem Lenkrad, den KopfstĂŒtzen sowie der mittleren Armlehne wiederfindet.

Ein weiteres Detail, das ich unbedingt betonen möchte: Der bei Porsche traditionell analoge Drehzahlmesser, ebenfalls eine Anlehnung an die frĂŒhen Modelle, zeigt sich, zusammen mit der Stoppuhr, mit den typischen grĂŒnen Ziffern der 50er-Jahre. Wenn das mal keine Liebe fĂŒrs Detail ist. Die Außenlackierung in Cherry-Metallic ist perfekt mit der Bi-Colour Innenausstattung abgestimmt und harmonisiert mit dem Kordsamt der Sitze und TĂŒrinnenverkleidungen.

Verschiedene Zierelemente sind zu entdecken, wie die „Heritage“ Plakette auf dem Motorgrill, welche an die frĂŒhen Porsche 356-Eigner nach erfolgreicher Absolvierung der ersten 100.000 Kilometer ausgehĂ€ndigt wurde, sowie der traditionelle, goldene Targa-Schriftzug am Heck. Ein besonderes Highlight sind die Speere, angebracht auf beiden vorderen CFK-KotflĂŒgeln. Diese Art der Lackierung beziehungsweise Folierung wurde in dem frĂŒhen Zeitalter des Motorsports verwendet. Die lang gezogenen „Wimpern“ wurden in Werks- oder Landesfarbe gewĂ€hlt, damit die Teams ihre Fahrzeuge auf der Rennstrecke schon von weitem identifizieren konnten.

Noch vor dem Einstieg fĂ€llt mir ein Element am oberen Ende des Windschutzscheibenrahmens auf. Durch die Aerodynamiker wurde eine Art Spoiler (Abrisskante) entworfen, die je nach Luftanströmung und Geschwindigkeit ein- oder ausfĂ€hrt und fĂŒr eine verbesserte WindfĂŒhrung in der Fahrerkabine sorgt. Das erinnert mich daran, wie in den frĂŒhen Tagen des Targa die Besitzer die Fenster leicht geöffnet haben, um das TrommelgerĂ€usch zu reduzieren.

Ich starte zu einer Runde um den Chiemsee – nĂ€her werden wir der Targa Florio wohl nicht kommen. An dieser Stelle wĂŒrde ich gerne auf den Namen Targa eingehen, der mich persönlich sehr anspricht. Die Targa Florio, ein Langstreckenrennen auf Sizilien, ist seit meiner Kindheit auf meiner Top-10-Liste der weltweit “must-do”-Fahrveranstaltungen. Ich trĂ€ume nach wie vor von einer Teilnahme. Harald Wagner, Verkaufsleiter 1965: „Es war ein glĂŒcklicher Zufall, dass Targa auf deutsch Schild heißt.“ Diese besondere VerknĂŒpfung zu den fĂŒnffachen Siegen zwischen 1956 bis 1965 und die Verbindung zur Sicherheit, rundet fĂŒr mich diese erfolgreiche Namensgebung ab.

Die Heritage Design Edition schafft es historische Aspekte und Details ideal miteinander zu verbinden und mittels modernster Technologien neu zu interpretieren – Ă©t voila der 992 Targa mit Anlehnung an die 50er- und 60er-Jahre von Porsche ist geboren. Ein großes Erbe, das der 992 geschickt in die Gegenwart trĂ€gt. Ein modernes Fahrzeug mit viel Komfort im liebevollem Verbund zu den GefĂŒhlen der frĂŒhen ersten Targa.


911 Targa 4S Heritage Design Edition, 2020, Porsche AG

Gastautorin

Fahrzeugtechnik-Ingenieurin Laura Kukuk ist mit Oldtimern groß geworden und heute im renommierten vĂ€terlichen IngenieurbĂŒro Kukuk als SachverstĂ€ndige fĂŒr Sport- und Rennwagen sowie als Oldtimerspezialistin tĂ€tig. Seit einigen Jahren schreibt sie zu dem als freie Journalistin fĂŒr verschiedene Online-Magazine.

Text: Ing. Laura Kukuk
Fotos: Niclas von Glahn

ĂŒbermittelt durch Porsche

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