Innen leben – das Interieur der Zukunft

Interieur der Zukunft

Um Zukunft zu gestalten, ĂŒberschreiten Designer Grenzen. Sie nehmen das Beste mit aus Tradition und Herkunft.

Um Zukunft zu gestalten, ĂŒberschreiten Designer Grenzen. Sie nehmen das Beste mit aus Tradition und Herkunft – den Markenkern, die Werte, die das Unternehmen erfolgreich gemacht haben. Gleichzeitig addieren sie mutig Neues. DafĂŒr studieren sie Menschen und deren Gewohnheiten im Allgemeinen und Porsche-Fahrer im Speziellen. „FrĂŒher haben wir vor einer Fahrt unser Ziel ins Navigationssystem eingetippt. Heute bereiten wir die Route auf dem Smartphone vor, wĂ€hrend wir auf dem Sofa sitzen, und schicken sie anschließend ans Auto.“ FĂŒr Ivo van Hulten, Director of User Experience Design (UX), ist das Mögliche lĂ€ngst selbstverstĂ€ndlich. UX steht im Entwicklungszentrum Weissach fĂŒr alles, was man in und mit einem Porsche erleben kann. Es geht dabei um den Wunsch nach Komfort, FlexibilitĂ€t und AktualitĂ€t – verdichtet zu einem Markenerlebnis.

Gemeinsam mit Designchef Michael Mauer und Markus Auerbach, Leiter Interieur Design, experimentiert van Hulten jeden Tag mit dem, was in einigen Jahren diese BedĂŒrfnisse erfĂŒllen soll. Die Designer halten ihre Gedankenwelt mit der Methode des First Principle Thinking frisch. Dabei brechen sie mit bekannten Analogien und zerlegen Hypothesen in deren kleinste Bestandteile. Konzentrieren sich nicht auf bekannte Formen, sondern auf Funktionen, die kĂŒnftig von Interesse sein könnten. Sie fragen sich, was ein Porsche alles sein könnte – und was nicht. Dieser Prozess liefert Antworten auf Fragen, die noch niemand gestellt hat.

Porsche Vision „Renndienst“ (2018), 2021, Porsche AG
Einblick: Innenraum der Studie „Renndienst“. Die Designer von Style Porsche in Weissach reisen gedanklich weit in die Zukunft der MobilitĂ€t. Sie denken und gestalten Visionen fĂŒr ĂŒbermorgen, um daraus Schritte fĂŒr das Morgen abzuleiten. Sie fragen sich, wie weit sie die Designsprache von Porsche dehnen können und auf welche Produkte sie sich ĂŒbertragen ließe. So entstand der „Renndienst“. Ein Van, ein kleiner Bus, ein familienfreundliches Raumkonzept fĂŒr bis zu sechs Personen. Solche Herausforderungen halten die Gedankenwelt der Designer frisch.

In dem Buch Porsche Unseen veröffentlichte der Sportwagenhersteller kĂŒrzlich 15 bislang geheime Designstudien. Darunter auch die Vision „Renndienst“. Im Namen trĂ€gt der Van fĂŒr bis zu sechs Personen eine Reminiszenz an den VW Renndienst-Transporter, der einst dem Werksrennteam als Servicewagen diente. Äußerlich ist er futuristisch und kantenfrei – innen eine modulare Reisekabine.

Interieur der Zukunft

„Wir haben ĂŒberlegt, wie wir einem Innenraum, der so weit weg ist vom klassischen Sportwageninterieur, dennoch eindeutig Porsche-Flair verleihen können. Und wie sich autonomes Fahren gestalten ließe“, erklĂ€rt Mauer. Der zweite Aspekt ist durchaus diskussionswĂŒrdig. Stehen Sportwagen doch fĂŒr Selbstbestimmung. „Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Kunden das Lenkrad aus der Hand geben möchten“, sagt Mauer. Aber um Zukunft frei denken zu können, mĂŒssen bei diesen FingerĂŒbungen Grenzen ĂŒberschritten werden. So sei die zentrierte Fahrerposition im „Renndienst“ entstanden. „Wenn ich fahren möchte, habe ich mehr CockpitgefĂŒhl als in jedem anderen Auto. Und wenn nicht, lĂ€sst sich der Fahrersitz um 180 Grad drehen – mit einem Schwenk wendet er sich den ĂŒbrigen Passagieren zu. Diese Grundgedanken haben wir etwa ein Jahr lang materialisiert“, fĂŒhrt der Designchef aus.

Porsche Vision „Renndienst“ (2018), 2021, Porsche AG
Raumkapsel: Der Karosseriekörper als Konsequenz des modularen Innenraums.

Das Gesamterlebnis UX widmet sich bei der Innenraumgestaltung dem digitalen Lifestyle sowie der Beziehung zwischen Fahrer, Passagieren und Fahrzeug. „Mit dem Taycan haben wir gezeigt, wie sehr wir nach vorne denken“, sagt der 43-jĂ€hrige van Hulten. „Jetzt beschĂ€ftigten wir uns mit einer möglichen nĂ€chsten Gesamtinnovation. HierfĂŒr haben wir von innen nach außen gedacht und gearbeitet.“


Porsche Vision „Renndienst“ (2018), 2021, Porsche AG
Asymmetrie: Sichtschutz auf der linken Seite und eine große SchiebetĂŒr auf der rechten.

Die Seitenfenster sind asymmetrisch gestaltet. „Eine Seite ist geschlossen, die Passagiere können sich dort zurĂŒckziehen“, erklĂ€rt Interieur-Designchef Auerbach. „Die andere ziert eine große Fensterfront fĂŒr den ungetrĂŒbten Blick nach draußen. Wenn wir die TĂŒren schließen, fĂŒhlt sich der Innenraum wie eine schĂŒtzende Kapsel an.“ Geborgenheit und Komfort dominieren das modulare Interieur. Die Passagiere der ersten Reihe sitzen rechts und links versetzt in ergonomisch geformten Schalen. Sie genießen den ungehinderten Blick nach vorne und auf ihre eigenen Bildschirme am Armaturenbrett. Die KopfstĂŒtzen der RĂŒckbank sind schwebend installiert, das erlaubt eine freie Sicht durch die Heckscheibe. Den Luxus des wandelbaren Raums ermöglicht die Antriebstechnologie: vollelektrisch und im Unterboden versteckt.

Erfolgsfaktor UX

Ivo van Hulten beschĂ€ftigt sich mit der zukĂŒnftigen Kundschaft – der Generation Smartphone. „FrĂŒher war der Hunger nach etwas Neuem mit dem Erwerb des Produkts gestillt. Heute sind viele junge Menschen nicht mehr nur fasziniert von der Ästhetik eines Produkts, sondern von den Möglichkeiten, die es ihnen bietet.“ Die Ästhetik des Interieurs hĂ€nge also von viel mehr Faktoren ab als von Formen und Materialien. „Die Fragen lauten: ‚Ist das Interieur modular genug, um sich auch ein paar Jahre nach dem Kauf verĂ€nderten LebensumstĂ€nden anzupassen? Kann ich aus der Ferne rund um die Uhr Updates durchfĂŒhren?‘“ Er ist zuversichtlich, Antworten in Form einer neuen Ästhetik zu finden: „Wir bauen mit der Abteilung UX auf einer beeindruckenden Markenhistorie auf – und blicken mutig weit in die Zukunft.“

Markus Auerbach, Leiter Interieur Design, 2021, Porsche AG
Markus Auerbach…

Michael Mauer, Chefdesigner bei Porsche, 2021, Porsche AG
… und Michael Mauer nutzen den „Renndienst“ als Besprechungsraum.

Kollege Markus Auerbach ergĂ€nzt: „Eine digitale Reise kann uns ein Tor zu einem Universum öffnen, aber niemals die physische Erfahrung ersetzen. Ein Auto ist ein Raum, der sich bewegt, ob ich selbst fahre oder nicht. Die Sitze in diesem Van sind fĂŒr Bewegungen konzipiert worden, sie halten und unterstĂŒtzen den Körper.“ Er deutet vom Sportsitz in der zweiten Reihe auf die RĂŒckbank, die an eine Lounge erinnert. „Die Bank lĂ€sst durch die gebogenen Seiten einen anderen Sitzwinkel zu, wir können uns einander zuwenden. Sie ist ein besonders kommunikativer Bereich mit Relax-Charakter, bietet alternative Sitzpositionen zum Reden, Arbeiten und Entspannen.“ Materialien der Zukunft sind fĂŒr den 57-JĂ€hrigen unter anderem nachwachsende Rohstoffe wie Holz, neu interpretiert und kombiniert mit Metallen oder nachhaltigen Kunststoffen. Einst wurde Holz aus Fahrzeugen verbannt, bald könnte es sein Comeback feiern. Außerdem setzt Auerbach auf sogenannte Smart Materials, die etwas Besonderes können – zum Beispiel auf externe Faktoren reagieren und sich selbst illuminieren, ohne direkt beleuchtet zu werden. Oder Materialien, die ihre Formen wiederholt Ă€ndern, sodass sie perfekt zur Ergonomie der Insassen passen.

RaumgefĂŒhl mit Seele

Die Visionen, an denen die Fachabteilungen in Weissach gemeinsam wirken, sind komplex, weil sie RĂ€ume gestalten, in denen Menschen sitzen. „Von außen betrachtet ist ein Porsche eine Skulptur, ein Kunstwerk. Mit dem Innenraum kommt eine Dimension dazu. Autos mit einem schwachen Interieur ĂŒberleben nicht lange, denn zu ihnen lĂ€sst sich keine emotionale Verbindung aufbauen“, fasst Auerbach zusammen. FĂŒr den Interieurgestalter ist klar, dass es auch in Zukunft Schalter und Knöpfe geben wird: „Die Balance aus analogen und digitalen Bedienfeldern verschiebt sich. Dennoch sind haptische Knöpfe im Fahrzeugcockpit perfekt, weil man den Blick nicht von der Straße nehmen muss. Wenn ich als Fahrer jedoch eines Tages viel weniger machen muss, kann sich auch das Ă€ndern. Wir dĂŒrfen aber nicht alles ĂŒber die Optik lösen, denn sonst fehlen uns Dimensionen.“

Porsche Vision „Renndienst“ (2018), 2021, Porsche AG

Cockpit: flexible Mitte. Die zentrale Sitzposition besitzt Symbolik und unterstreicht die Selbstbestimmung, fĂŒr die Sportwagen von Porsche stehen. Mit einem Handgriff lĂ€sst sich der Sitz um 180 Grad drehen. Das Cockpit wird zum Kommunikationszentrum. FĂŒnf Rundinstrumente reisen mit in die Zukunft, das ist Traditionspflege und gehört zur Marken-DNA. Haptische Knöpfe behalten ebenfalls eine Existenzberechtigung. Die Bildschirme fĂŒr die Passagiere rechts und links lassen sich individuell bedienen oder am Armaturenbrett wegklappen.

Im nĂ€chsten Schritt wĂŒnscht sich van Hulten eine Seele fĂŒr den „Renndienst“. Er erinnert sich an die US-amerikanische Serie Knight Rider, die er als Kind gerne schaute. „K.I.T.T., das sprechende Auto, zog mich in seinen Bann. Das starke Gespann aus Hauptdarsteller und Fahrzeug holte mich gedanklich ab. Ich bin mit dem Auto in Verbindung getreten, denn es hatte eine Seele.“ Auf die Studie bezogen stellt er die Frage: „Welchen tĂ€glichen Umgang planen wir – rufen wir unser Auto in 30 Jahren an und dann holt es uns ab?“ Von dieser großen Vision des Übermorgen bewegt sich das Designteam nun zurĂŒck, um die konkrete Antwort fĂŒr das Morgen zu bekommen. Mit dem Besten aus der Marken-DNA: der Seele.

ĂŒbermittelt durch Porsche

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