FahrtĂŒchtig mit medizinischem Cannabis?

Bonn (ots) – Seit MĂ€rz 2017 können sich Patientinnen und Patienten CannabisblĂŒten und daraus hergestellte Extrakte auf BetĂ€ubungsmittelrezept vom Arzt verschreiben lassen. GrundsĂ€tzlich dĂŒrfen diese Personen am Straßenverkehr teilnehmen, soweit sie nach Aufnahme der cannabisbasierten Medikamente noch in der Lage sind, ein Fahrzeug im Straßenverkehr sicher zu fĂŒhren. Treten allerdings wĂ€hrend der Fahrt Ausfallerscheinungen auf, die auf die Einwirkung dieser Medikamente zurĂŒckzufĂŒhren sind, drohen strafrechtliche Konsequenzen. Darauf weist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hin.

“Besonders in der Einstellungs- und Eingewöhnungsphase kann die FahrtĂŒchtigkeit beeintrĂ€chtigt werden”, erlĂ€utert Jacqueline Lacroix vom DVR. Auch eine zu hohe Dosierung oder die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, einschließlich selbst geringer Mengen an Alkohol, könnten zu Problemen fĂŒhren. “Dabei ist zu beachten, dass verschiedene Drogenmaterialien angeboten werden, die sich in ihren Inhaltsstoffen zum Teil erheblich unterscheiden. Dabei geht es vor allem um den Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), das zu rund 20 Prozent in medizinischen CannabisblĂŒten enthalten ist, oder Cannabidiol,” ergĂ€nzt die Expertin.

Die Wirkstoffe der CannabisblĂŒten können durch Inhalation oder oral aufgenommen werden, zum Beispiel als Tee oder GebĂ€ck. Eine optimale Verordnung bedarf daher spezieller medizinischer Expertise. “Die Ärzte, die medizinisches Cannabis verordnen, mĂŒssen ihre Patienten ĂŒber die möglichen BeeintrĂ€chtigungen bei der Teilnahme am Straßenverkehr aufklĂ€ren. Insbesondere sollten sie zu Beginn der Therapie vom FĂŒhren eines Fahrzeuges abraten, und zwar so lange, bis die unerwĂŒnschten Nebenwirkungen nicht mehr auftreten und sie trotz Krankheit fahrsicher sind”, empfiehlt Lacroix.

DarĂŒber hinaus mĂŒssten aber auch die Patienten selbst ihre FahrtĂŒchtigkeit im Auge behalten und im Zweifelsfall auf das Fahren verzichten. “Sie werden im Straßenverkehr genauso behandelt wie andere Patienten, die unter einer Dauermedikation stehen, die zum Beispiel ein psychoaktives Arzneimittel verordnet bekommen haben”, erklĂ€rt Lacroix.

Problematisch ist, dass CannabisblĂŒten, die lose von den Apotheken auf Rezept abgegeben werden, ĂŒber keinen Beipackzettel verfĂŒgen und von den Patienten selbst in Kleinstmengen, zum Teil bis unter 0,1 Gramm, dosiert werden mĂŒssen. Das Rezept muss daher eindeutige Angaben zum Drogenmaterial, zur Darreichungsform und zu den Einzel- und Tagesdosen enthalten.

“Von den Cannabispatienten wird ein hohes Maß an ZuverlĂ€ssigkeit und Verantwortlichkeit im Umgang mit der Medikation und bei Auftreten von Nebenwirkungen erwartet”, sagt Lacroix. Wenn das THC im Blut aus einer bestimmungsgemĂ€ĂŸen Einnahme eines fĂŒr den konkreten Krankheitsfall verschriebenen cannabisbasierten Arzneimittels herrĂŒhrt und die Einnahme die FahrtĂŒchtigkeit nicht beeintrĂ€chtigt, kommt es nicht zu Sanktionierungen gemĂ€ĂŸ dem Straßenverkehrsgesetz (StVG). Bei missbrĂ€uchlicher Einnahme derartiger Arzneimittel droht hingegen nicht nur eine Sanktionierung nach dem StVG, sondern zusĂ€tzlich der Verlust der Fahrerlaubnis. Patienten sollten deshalb eine Ă€rztliche Bescheinigung ĂŒber ihre Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten oder eine Kopie des aktuellen Rezeptes ĂŒber medizinisches Cannabis mit sich fĂŒhren.

“Es ist nicht einfach, zu bestimmen, welchen Einfluss der Gebrauch von medizinischem Cannabis auf das Fahrvermögen hat”, fasst Lacroix das Problem zusammen. Die im Blut festgestellte THC-Konzentration entspreche oft nur zu einem geringen Grad der messbaren Beeinflussung. Auch lasse die THC-Konzentration im Blut keine sicheren RĂŒckschlĂŒsse auf die Menge an THC zu, die tatsĂ€chlich geraucht oder eingenommen wurde. Die Polizei sollte zudem bei einem Anfangsverdacht in Betracht ziehen, dass der Fahrer Cannabis auch wegen einer medizinisch-indizierten Medikation eingenommen haben könnte. Zu prĂŒfen wĂ€re dann, ob Anhaltspunkte fĂŒr eine nicht bestimmungsgemĂ€ĂŸe Einnahme vorliegen.

Original-Content von: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V., ĂŒbermittelt durch news aktuell

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