Die Ford RS-Modelle feiern Geburtstag

50 Jahre "Dampf unter der Haube": die Ford RS-Modelle feiern Geburtstag

50 Jahre “Dampf unter der Haube”: die Ford RS-Modelle feiern Geburtstag

Er kam 1968 auf den Markt und begr√ľndete zusammen mit dem 15 M RS und dem 20 M RS die 50-j√§hrige Ford RS-Tradition. Das K√ľrzel “RS” steht f√ľr “Rallye Sport”.

Köln (ots)

    • 15M RS, 17M RS und 20M RS: Mit einem sportlichen Dreigestirn fing es an
    • Capri RS 2600: Das Volkscoup√© f√ľr 200 km/h Spitze
    • Die RS-Legende schlechthin: Der Escort RS 2000 der ersten¬†Generation
    • Escort II RS 2000: Leistungsverm√∂gen eines Sportwagens, Vernunft eines ganz normalen Escort
    • Der RS 200 – Er gilt bis heute als eines der sch√∂nsten Rallyeautos
    • Der Ford Escort III RS: Das erste Ford-Gro√üserienmodell mit Turbolader
    • Sierra RS Cosworth: Eine nachgesch√§rfte Version des ersten “Cossie”-Sierra von 1985
    • Escort V RS Cosworth: Rallye-Siege einfahren und f√ľr Fahrspa√ü sorgen
    • Ford Focus RS I: Nach fast 8-j√§hriger Pause wurde das legend√§re RS-K√ľrzel reaktiviert
    • Ford Focus II RS: Zum “State of the Art”-Fahrwerk geh√∂rte die “Revo”-Vorderachse
    • Ford Focus III RS: Er wurde vom neuen “Ford Performance”-Team entwickelt

Vom 15M RS aus dem Jahre 1968 bis zum Ford Focus RS der dritten Generation, dessen Produktion Anfang 2018 auslief: Das K√ľrzel “RS” steht bei Ford f√ľr “Rallye Sport” und damit f√ľr Leistung, f√ľr “Dampf unter der Haube”, f√ľr Fahrspa√ü pur und f√ľr K√§ufer, die sich ganz bewusst von der Masse der konventionellen Serienfahrzeuge abheben wollen. Aber “RS” steht auch f√ľr internationale Triumphe im Motorsport. Nachfolgend eine kurze Darstellung der 50-j√§hrigen Geschichte der Ford “RS”-Modelle, die – vorl√§ufig – Anfang 2018 endete, als im Werk Saarlouis/Saarland im Zuge der Produktionsumstellung auf die neue, vierte Ford Focus-Generation die Fertigung des Ford Focus RS der dritten Generation auslief.

1968: 15M RS | 17M RS | 20M RS

Los ging es im Jahre 1968 mit dem Auftritt eines sportlichen Ford-Dreigestirns

Los ging es im Jahre 1968 mit dem Auftritt eines sportlichen Ford-Dreigestirns: 15M RS (die P6-Baureihe), 17M RS (die P7-Baureihe) und 20M RS (die P7-Baureihe) gaben sich die Ehre. Ein Hingucker waren die Cockpits der Autos. Drehzahlmesser und Tacho in Gro√üformat und zentraler Anordnung, garniert mit Ampere-Meter und √Ėldruckanzeige, ein kurzer Schaltkn√ľppel mit holzgemasertem Knauf und ein lederbezogenes Lochspeichen-Sportlenkrad f√ľr den 15M RS beziehungsweise einen Lenkradkranz aus Holzimitat (f√ľr 17M RS und f√ľr 20M RS).

F√ľr den “Dampf unter Haube” sorgten drei Triebwerke: Unter der Haube des 15M RS steckte der damals st√§rkste Vierzylinder von Ford, eine 1,7-Liter-V4-Maschine mit einer Leistung von 70 PS. Dieser Motor beschleunigt den 15M RS in 14,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und verlieh ihm eine H√∂chstgeschwindigkeit von 155 km/h. Die gr√∂√üeren 17- und 20M RS waren mit prestigetr√§chtigen V6-Motoren ausger√ľstet, wobei es die 90 PS starke Zwei-Liter-Version des 17M RS auf eine Beschleunigung von 14,2 Sekunden und 160 km/h maximales Tempo brachte. Am besten war in dieser Hinsicht naturgem√§√ü der kr√§ftigste Vertreter des Fahrspa√ütrios, der 20M RS mit 2,3-Liter-V6-Triebwerk. 108 muntere Pferdest√§rken lie√üen ihn die 100-km/h-H√ľrde nach 11,4 Sekunden √ľberspringen und bei freier Bahn waren 170 Sachen durchaus drin. Die Wahl der Au√üenfarbe war indes wesentlich einfacher, als die Wahl der Motorisierung: Alle RS-Modelle werden in den Farben Rot oder Silbermetallic lackiert.

1970: Escort I RS 1600 | Capri I RS 2600

Escort I RS 1600: Ein ziemlich wilder Hund – mit Knochen

Gerade beim Escort RS 1600 war das K√ľrzel RS (f√ľr Rallye Sport) w√∂rtlich zu nehmen, kaprizierte sich das Fahrzeug mit dem Hundeknochen-Gesicht im Werksauftrag auf dieses Metier. Dass diese Mission erfolgreich verlief, daf√ľr sorgte der ber√ľhmte BDA-Motor (Belt Drive A Series) von Cosworth.

Capri I RS 2600: Das Volkscoup√© f√ľr 200 km/h Spitze

Bereits die erste Generation des Ford Capri gab es ab 1970 auch als RS. Stil- und charakterpr√§gend f√ľr das schnelle Volkscoup√© war ein 150 PS starker V6-Motor mit Kugelfischer-Benzineinspritzung. Daraus resultierte eine H√∂chstgeschwindigkeit von 200 km/h und eine Standardbeschleunigung von 8,0 Sekunden. Auch beim direkt vom Renn-Capri abgeleiteten Fahrwerk hatten die Ingenieure das anspruchsvolle RS-Konzept konsequent umgesetzt mit Bilstein-Einrohrd√§mpfer rundum, einem speziellen Vorderachs-Quertr√§ger f√ľr aggressiven Negativsturz der Vorderr√§der, flachen Einblattfedern an der Hinterachse und 6-Zoll-Aluminiumfelgen mit Reifen des Formats 185/70 HR 13. Und weil bei solchen Autos auch zur Schau gestellter Purismus den Heldenstatus f√∂rdert, ersetzten die Ford-Designer gewisserma√üen die Windjacke durch ein Muscle Shirt und lie√üen den RS 2600 unten ohne antreten, sprich: ohne Sto√üstangen.

Die Vorteile des RS-Konzepts, in dem Alltagstauglichkeit und Rennkompetenz zusammenfanden, zeigten sich auch im Innenraum des Capri RS 2600. Vier Sitze, ein reisetauglicher Kofferraum und eine ansprechende Ausstattung mit beheizbarer Heckscheibe, Vollkreis-Ventilation, Kartenleselampe und Bodenteppich sorgten f√ľr Wohlgef√ľhle. Es blieb nicht viel, was man gegen Aufpreis hinzubestellen konnte. Ein Stahlkurbeldach vielleicht, Magnesiumfelgen, hintere Ausstellfenster oder ein “Drucktasten-Autoradio”.

Wer sein Autofahrerheil dann doch lieber auf dem N√ľrburgring oder auf √§hnlichen Rennstrecken suchte, f√ľr den stand ja noch die puristische Motorsportvariante mit T√ľren und Kofferraumdeckel aus Kunststoff, Seitenscheiben aus Plexiglas und schlanken 900 Kilogramm Leergewicht parat. Bei 150 PS entsprach das einem Leistungsgewicht von 6 Kilo pro PS. Was auch heute noch, knapp 50 Jahre sp√§ter, nach wie vor eine √§u√üerst spritzige Mischung ist.

1973: Escort I RS 2000

Die RS-Legende schlechthin: Der Escort RS 2000 der ersten Generation

Eine Ikone der RS-Historie – wenn nicht sogar die RS-Legende schlechthin – ist der Escort RS, erste Generation (“Mk1”), und zwar nicht zuletzt aufgrund seiner gro√üen Erfolge im Rallye-Sport. Es gab kaum einen bedeutenden Wettbewerb, in dem die teilnehmenden Werks-Escort nicht auf einem der vordersten Pl√§tze die Rallyes beendeten.

Der Reiz des Escort I RS 2000 bestand vor allem darin, dass er sich der Einordnung in klassische Autokategorien entzog. √Ąu√üerlich ein Escort, motorisch ein Auto mit 2,0 Liter Hubraum und 100 PS. In der Leistung den meisten 2-Liter-Wagen √ľberlegen, die meist weit mehr als 100 PS brauchen, um Vergleichbares zu erreichen – so beschrieb ihn Ford. Kein Wunder: Mit 915 Kilogramm war das nicht einmal vier Meter lange Fahrzeug ein Leichtgewicht.

Der RS-“Hundeknochen” war aber nicht nur ein talentierter Sportler. Denn neben seiner hervorragenden Leistung hat der Ford Escort RS 2000 auch noch den sympathischen Vorteil, eine familienfreundliche Limousine zu sein. Zu einem familienfreundlichen Preis: Es gibt praktisch keine M√∂glichkeit, 100 PS noch g√ľnstiger einzukaufen, so Ford.

1975: Escort II RS 2000

Leistungsvermögen eines Sportwagens, Vernunft eines ganz normalen Escort

Der RS 2000 verbindet das Leistungsverm√∂gen eines Sportwagens mit der Vernunft eines ganz normalen Escort. Seine Leistungsdaten – 8,9 Sekunden aus dem Stand auf Hundert und gut 180 Spitze – sind technische Angaben, keine Weltanschauung … So gesehen, passt der RS 2000 ohne Einschr√§nkung in das Ford Vernunftkonzept, hie√ü es bei der Medien-Pr√§sentation.

Von seinen konventionellen Br√ľdern unterschied sich der Escort RS 2000 (2. Generation) schon √§u√üerlich durch eine verl√§ngerte und abgeschr√§gte Front mit vier Halogen-Scheinwerfern, integrierter Sto√üstange und integriertem Luftleitblech. Viele praktische Eigenschaften hatte das Fahrzeug dennoch mit seinen zivilen Modellgef√§hrten gemeinsam. Schlie√ülich war der RS 2000 mit seinem 2,0-Liter Motor und einer Leistung von 110 PS immer noch ein grundsolider, ger√§umiger, √ľbersichtlicher und handlicher Ford Escort.

Die Karosserie hatten die Chassis-Spezialisten um 20 Millimeter tiefergelegt und in tragenden Elementen verst√§rkt, zus√§tzlich die langhubigen Federbeine vom Capri II √ľbernommen, die Spur verbreitert und den Vorderr√§dern einen leicht negativen Sturz mitgegeben.

Und wer es wirklich ernst meinte mit dem Pistensport, der musste zum Tunen und Aufr√ľsten keine fragw√ľrdigen Hinterhof-Schrauber aufsuchen, sondern konnte sich an seinen Ford-H√§ndler wenden. Der hielt ein reichhaltiges Technik-Buffet bereit: Gasdrucksto√üd√§mpfer, Kotfl√ľgelverbreiterungen, 7,5-Z√∂ller mit 235/60er-Bereifung sowie Sperrdifferenzial, Zusatzscheinwerfer, √úberrollk√§fig, Hosentr√§gergurte und Schalensitze.

1984: Ford RS 200 | Escort III RS Turbo

Der RS 200: Er gilt bis heute als eines der schönsten Rallyeautos

Eine der spektakul√§rsten Ford-Kreationen mit dem magischen Zwei-Buchstaben-K√ľrzel war der Ford RS 200 – er gilt bis heute als eines der sch√∂nsten Rallyeautos. Mit seiner keilf√∂rmigen Coup√©-Kontur, den kurzen Karosserie√ľberh√§ngen, sanft gerundeten, klassisch-zeitlosen Linien und dem kraftvollen Heckfl√ľgel vermochte er schon im Stand Leidenschaft zu wecken.

Der Prototyp, der die R√ľckkehr von Ford in den Rallyesport markieren sollte, wurde im November 1984 vorgestellt. Schauplatz war der Turiner Automobilsalon. Die “200” im Namenszug bezog sich auf die Anzahl der Fahrzeuge, die zur Homologation f√ľr die (sp√§ter ber√ľhmt-ber√ľchtigte, weil gef√§hrlich schnelle) Gruppe B-Kategorie zu bauen waren. Neben seiner urspr√ľnglichen Bestimmung als professioneller Zeitenj√§ger war das Auto damit auch als Stra√üenversion f√ľr Technik-Gourmets und solvente K√∂nner konzipiert, die das erforderliche Budget von 92.500 DM stemmen konnten.

Technisch war der RS 200 eine einzigartige Kreuzung von Konstruktionsprinzipien aus der Formel 1 und dem Rallyesport: Mittelmotor mit Transaxle-Antrieb zur Vorderachse, Wahlm√∂glichkeit zwischen Hinterrad- und Allradantrieb, variable Kraftverteilung, 50-zu-50-Gewichtsverteilung. Die komplexe Mechanik aus Vorgelege- und F√ľnfganggetriebe, zwei Kardanwellen sowie drei Ferguson-Sperrdifferenzialen verteilte im Allradmodus das Antriebsmoment im Verh√§ltnis 37 zu 63 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse. Die beiden 74 beziehungsweise 42 Liter fassenden Kraftstofftanks waren im Chassis hinter den Sitzen positioniert. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Radaufh√§ngungen entsprach dem klassischen Rennwagenbau, wobei sich durch die jeweils doppelte Feder- und D√§mpferbest√ľckung pro Rad verschiedene Sto√üd√§mpfer- und Federraten kombinieren lie√üen.

Den 1,7-Liter-Ford BDT-Vierventilmotor, der in den Jahren zuvor in Rallye-Werks- und Gruppe-C-Sportwagen zum Einsatz gekommen war, hatte man f√ľr den Einsatz im RS 200 auf 1,8 Liter Hubraum vergr√∂√üert und mit einem Garrett T.04-Turbolader kombiniert. Ein Mikro-Prozessor des Typs Ford EEC IV, seinerzeit eines der fortschrittlichsten Motorsteuerungssysteme weltweit, taktete und dosierte Benzineinspritzung und Z√ľndung. Im Interesse eines gesunden Temperaturhaushalts waren Auspuffkr√ľmmer und Turbolader vom Motorblock abger√ľckt, die abgestrahlte Hitze wurde durch Bel√ľftungs√∂ffnungen im Heckspoiler nach au√üen geleitet.

Dass es dem RS 200 dann dennoch versagt blieb, auf den Rallyepisten der Welt Ruhm und Ehre von Ford zu mehren, war dem Reglement der Gruppe B geschuldet. Die Autos hatten sich als zu schnell und zu gef√§hrlich f√ľr Fahrer und Zuschauer erwiesen. Nach mehreren schweren Unf√§llen, teils mit t√∂dlichem Ausgang, zog die Welt-Motorsportbeh√∂rde FIA zum Ende der Saison 1986 den Stecker und damit einen Schlussstrich. So blieb dem RS 200 nichts anders √ľbrig, als in anderen Motorsport-Disziplinen zu zeigen, wo der Hammer h√§ngt. Was er auch tat, vorzugsweise auf europ√§ischen Rallyecross-Pisten und bei Bergrennen einschlie√ülich des legend√§ren “Pikes Peak”-Wettbewerbs in den Rocky Mountains im US-Bundesstaat Colorado.

Ford Escort III RS Turbo: Das erste Ford-Großserienmodell mit Turbolader

1984 wurde auch die dritte Ford Escort-Generation wieder durch eine RS-Version getoppt. Der neue Ford Escort III RS Turbo war das erste europ√§ische Ford-Modell aus Gro√üserienproduktion mit Abgasturbolader und Ladeluftk√ľhlung. Zu den technischen Feinheiten des 132 PS starken Kraftpakets z√§hlten die vollelektronische Steuerung von Ladedruck und Z√ľndung sowie eine neuartige Differenzialsperre mit Visko-Kupplung und nahezu schlupffreier Zuteilung des Antriebsmoments auf die Vorderr√§der.

Entwickelt worden war der Escort III RS Turbo von der SVE-Gruppe (Special Vehicle Engineering). Als Basisfahrzeug diente ein mit Rallye-Komponenten aufger√ľsteter XR3i, dessen 1,6-Liter-Einspritzmotor f√ľr die Liaison mit dem Booster ebenfalls gr√ľndlich modifiziert worden war. Ein Garrett-Turbolader “AirResearch T3”, mit integriertem Wastegate-Ventil und Ladeluftk√ľhlung beatmete den Motor mit 0,5 bar √úberdruck, eine elektronische Bosch KE-Jetronic steuerte exakt bemessene Spritmengen bei und eine vollelektronische Z√ľndung mit 3D-Kennfeld lie√ü den Kraftstoff in Millisekunden-Feintaktung in den Zylindern explodieren. Damit dieses sorgsam bereitete Kraftmen√ľ auf Glattstellen nicht sinnlos verpuffte, hielt eine serienm√§√üige Visko-Differenzialsperre den Radschlupf in Grenzen.

Ein heruntergezogener Frontspoiler mit integrierten Kotfl√ľgel- und T√ľrschweller-Verbreiterungen trug zur optischen Erdung seines Auftritts bei, w√§hrend ein markanter Heckspoiler f√ľr zus√§tzlichen Abtrieb sorgte. Serienm√§√üige RS Turbo-Features waren unter anderem eine Zentralverriegelung, ein gl√§sernes Kurbelhubdach, get√∂nte Scheiben, elektrische Scheibenheber, Ausstellfenster hinten und – ein “Must have” f√ľr prestige- und ergonomiebewu√üte RS-Piloten – Recaro-Sportsitze vorne. √úbrigens: Der RS Turbo war ausschlie√ülich in unschuldigem Wei√ü bestellbar.

1985: Sierra I RS Cosworth

Auserkoren, via Homologation Motorsport-Eins√§tzen den Weg zu bereiten Wie einige andere seiner RS-Gef√§hrten war auch dieser Sierra dazu auserkoren, via Homologation k√ľnftigen Eins√§tzen im Motorsport den Weg zu bereiten. Unter der Haube des extrovertierten Boliden arbeitete ein von Cosworth mit Doppelnockenwellen- sowie Vierventil- und Turbotechnik aufgepumpter und von Visko-Sperrdifferenzial, Scheibenbremsen und F√ľnfgang-Sportgetriebe assistierter Zweiliter-Vierzylinder, der stolze 204 PS entwickelte und den gefl√ľgelten K√∂lner bis zu 241 km/h schnell rennen lie√ü.

Und weil Ford in den Jahren 1986 und 1987 lediglich 6.000 Exemplare baute, lässt sich leicht ausrechnen, dass auch dieser RS Рwie praktisch alle RS Рnicht nur zum Kult-, sondern auch zum begehrten (und entsprechend hoch gehandelten) Sammlerobjekt wurde.

1987: Sierra I RS 500 Cosworth

Der RS 500: Eine nachgesch√§rfte Version des ersten “Cossie”-Sierra von 1985

Satte 220 PS konnte dieser motorseitig nochmals nachgew√ľrzte Dampfhammer auf die Stra√üe wuchten – was den “√ú 30er” in Sachen Topspeed (247 km/h) auch heute noch auf Augenh√∂he mit aktuellen Seriensportlern gehobener Kategorie agieren l√§sst. Ber√ľhmt wurde vor allem die im Motorsport erfolgreiche Rennversion des Sierra RS 500 Cosworth, mit der Klaus Ludwig 1987 beim 24-Stunden-Rennen auf dem N√ľrburgring einen grandiosen Start-Ziel-Sieg hinlegte und ein Jahr sp√§ter den DTM-Titel einkassierte.

1990: Sierra II Cosworth 4×4

Er präsentierte sich weniger als sportbetonter Krawallbruder, sondern eher elegant

Der Allrad-Cossie, basierend auf der zweiten Ford Sierra-Generation, pr√§sentierte sich weniger als sportbetonter Krawallbruder, sondern eher elegant, auch wenn stilistische Details dem Kenner signalisierten, dass er einen Wolf im Schafspelz vor sich hatte. Die Front-Sto√üf√§nger mit dem integrierten K√ľhllufteinlass etwa, die lamellenartigen Luft√∂ffnungen in der Fronthaube, die in Wagenfarbe lackierten Sto√üf√§nger und nat√ľrlich der unverzichtbare Heckfl√ľgel.

Hatte schon die heckgetriebene Sierra RS Cosworth-Version als ambitionierte Sportlimousine f√ľr Aufsehen gesorgt, setzte die 4×4-Variante noch eins drauf. Der vergr√∂√üerte Ladeluftk√ľhler sorgte in Verbindung mit einem √ľberarbeiteten Einlasskr√ľmmer f√ľr noch effizientere Zylinderf√ľllungen und lie√ü das Drehmoment auf 290 Newtonmeter (bei 3.500 U/min) und die Leistung auf 220 PS anschwellen.

1992: Escort V RS Cosworth

Zwei Jobs f√ľr den Escort V RS Cossie: Rallye-Siege einfahren und Fahrspa√ü erzeugen

Dem Escort RS folgte in den Jahren 1992 und 1993 ein Escort RS, der sich mit dem Kosenamen “Cossie” schm√ľcken durfte und ebenfalls auf der f√ľnften Ford Escort-Generation basierte. Die Ingenieure hatten ein Sportger√§t geschaffen, mit dem Ford ab 1993 in der Rallye-Meisterschaft geh√∂rig mitmischte – und das mit beachtlichem Erfolg.

Nicht nur in puncto Power und Performance war der Escort V RS Cosworth ein Glanzst√ľck, er war generell ein Beleg beeindruckender Ingenieurskunst. Um die Bestimmungen f√ľr Gruppe A- und N-Motorsportfahrzeuge erf√ľllen zu k√∂nnen, mussten innerhalb eines Jahres mindestens 2.500 Einheiten gebaut werden. √úber diese Homologationsserie hinaus war von Anfang an auch die Produktion als Stra√üenfahrzeug vorgesehen. Und wenn bei der Konstruktion wesentliche Komponenten des Sierra RS Cosworth verwendet wurden, mussten doch sehr viele Teile – wie Motor, Kraft√ľbertragung, Radaufh√§ngung, Bremsen, Lenkung, Instrumente, Spoiler, Au√üenhaut und Unterboden – modifiziert oder v√∂llig neu entwickelt werden. Die Karosserie des Serienmodells hatten Ford und die Firma Karmann gemeinsam entwickelt und dabei die vom Sierra 4×4 √ľbernommene Bodengruppe auf Ma√ü geschneidert.

Auch der Zwei-Liter-Vierventilmotor mit 220 PS entsprach im Grundaufbau dem des Sierra Cossie. Wesentliche Modifikationen betrafen unter anderem den Garrett-Turbolader. Zusammen mit weiteren Detail-Ma√ünahmen gelang es, das maximale Drehmoment (290 Nm) auf 3.500 U/min “vorzuverlegen”. Auf die Stra√üe gebracht wurde die Kraft via permanentem Allradantrieb mit visko-gesperrten Differenzialen. Ein neu abgestimmtes und gestrafftes Fahrwerk sowie die eigens entwickelte Pirelli-Besohlung des Typs P Zero 225/45 ZR 16 rundete das Werk sprichw√∂rtlich ab. Zu den Kenndaten des daraus resultierenden Fahrspa√ües geh√∂rten eine Standardbeschleunigung von 6,1 Sekunden und die ebenso stramme H√∂chstgeschwindigkeit von 225 km/h.

Auch Cossie’s Sportler-Karriere lie√ü sich vielversprechend an: Ein Prototyp der Motorsport-Variante siegte mehrfach bei Wettbewerben f√ľr noch nicht homologierte Fahrzeuge und zeigte sein Potential bei kleineren Rallyes auf nationaler Ebene. Was folgte, ist Motorsporthistorie – verewigt unter anderem in f√ľnf Rallye-WM-Siegen gleich in der Deb√ľt-Saison 1993, dem Triumph bei der legend√§ren Rallye Monte Carlo 1994, in weiteren Top-Platzierungen auf dem Siegertreppchen sowie in 25 Laufsiegen bei der Rallye-Europameisterschaft und in diversen Siegen auf nationaler Ebene.

2002: Ford Focus I RS

Nach rund 8-j√§hriger Pause reaktivierte der Ford Focus das legend√§re RS-K√ľrzel

Mit 215 Turbo-PS und 315 Nm Drehmoment aus zwei Litern Hubraum sorge der RS der ersten Ford Focus-Generation f√ľr Furore. Verantwortlich f√ľr das hohe Grip-Niveau war das Sperrdifferenzial des britischen Unternehmens Quaife Engineering Ltd., das die Kr√§fte traktionsgerecht und variabel den Vorderr√§dern zuteilte. Weitere Edel-Komponenten wie Brembo-Bremsen, 18-Zoll-Leichtmetallr√§der von OZ sowie eine von Michelin eigens entwickelte 225/40-Sportbesohlung machten ebenfalls klar, dass dieser Ford Focus I RS den Unterschied machen konnte zwischen Sportlichkeit und Sport.

2009: Ford Focus II RS

Zum “State of the Art”-Fahrwerk geh√∂rte die “Revo”-Vorderachse Im Dezember 2007 machte Ford insbesondere seiner RS-Klientel ein vorweihnachtliches Geschenk mit der Ank√ľndigung, auch f√ľr die zweite Ford Focus-Generation einen RS auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis im Jahre 2009 war ein wahres Schmuckst√ľck in leuchtendem Giftgr√ľn, eine sch√∂ne Reminiszenz an das klassische Le Mans-Gr√ľn, das der Ford Escort RS 1600 in den 1970er-Jahren getragen hatte. Unter der Motorhaube des Ford Focus II RS arbeitete eine nochmals leistungsgesteigerte Version des guttural r√∂hrenden 2,5-Liter-F√ľnfzylinder-Motors aus dem Ford Focus ST, jetzt mit 305 PS und einem satten Drehmomentplateau von 410 Nm. Die zus√§tzliche Power gegen√ľber dem 250 PS starken ST hatten die Ingenieure mit Anpassungen von Motormanagement und Ladedruck sowie durch erg√§nzendes “Feintuning” an der Hardware umgesetzt.

Vom Feinsten waren auch die Kraft√ľbertragung und das Fahrwerk. Dazu geh√∂rte eine “Revo”-Vorderrad-Aufh√§ngung auf Basis des McPherson-Federbein-Layouts, aber in Kombination mit einer drehmomentorientierten Quaife-Differenzialsperre. Eine L√∂sung, die auf die Lenkung einwirkende Antriebskr√§fte reduzierte und so f√ľr pr√§zisen Geradeauslauf sorgte – auch bei voller Beschleunigung, auf unebener Fahrbahn und bei unterschiedlicher Verteilung der Reibwerte. Passend zum dynamischen Potenzial des bis dato leistungsst√§rksten Ford Focus kam eine √ľppiger dimensionierte Bremsanlage mit 336-Millimeter-Scheiben vorne und 300-Millimeter gro√üen Scheiben an der Hinterachse zum Einsatz. Das f√ľr Fahraktivisten erfreuliche Ergebnis dieser Bem√ľhungen: hohe Traktionsreserven und messerscharfe Handling-Pr√§zision.

Einen glanzvollen H√∂he- und zugleich Schlusspunkt der zweiten Ford Focus RS-Modellgeneration setzte das Unternehmen mit der 350 PS starken, auf 500 Exemplare limitierten Sonderauflage RS 500, die im Fr√ľhjahr 2010 auf der AMI Leipzig pr√§sentiert wurde. Die motorischen Modifikationen zielten vor allem darauf ab, im mittleren und oberen Drehzahlbereich Mehrleistung zu generieren, ohne dabei Durchzugskraft aus dem Drehzahl-Untergeschoss herzugeben. Ein Ansinnen, das von Erfolg und herausragenden Fahrleistungen gekr√∂nt war. So legte nicht nur die Leistung um 45 auf 350 PS zu, sie lag nun auch schon bei 6.000 (anstatt 6.500) U/min an. Auch das maximale Drehmoment verbesserte sich um 20 auf 460 Nm und war in dem breiten Drehzahlband von 2.500 bis 4.500 U/min abrufbar.

Den ebenso stimmgewaltigen wie leistungsstarken Motor hatten die RS-Spezialisten zusammen mit dem externen Unternehmen Revolve Technologies entwickelt. Heraus kam ein fein abgestimmtes Technik-Men√ľ, das den RS 500 in 5,6 Sekunden √ľber die 100-km/h-Grenze katapultierte und ihn mit 265 km/h eine H√∂chstgeschwindigkeit erreichen lie√ü, die den Begriff “Top-Speed” nicht nur bez√ľglich des Autos selbst absolut verdiente – sondern auch im Vergleich zu anderen Sportwagen.

Dass schon der “normale” Ford Focus RS sein technologisches R√ľstzeug selbstbewusst und expressiv nach au√üen dokumentierte, hinderte den RS 500 nicht daran, diesen Auftritt dramaturgisch noch weiter zuzuspitzen – mit einer augenf√§lligen Folierung in Matt-Schwarz, schwarz gl√§nzenden 19-Zoll-Leichtmetallr√§dern, einem trapezf√∂rmigen Lufteinlass in Hochglanzschwarz plus zus√§tzlicher Spoiler-Lippe, dem doppelbl√§ttrigen Heckfl√ľgel und einem sogenannten Venturi-Tunnel zur Kanalisierung des Luftstroms unter dem Wagenboden. Farbliche Applikationen wie rote Bremss√§ttel und ein “RS 500”-Emblem am Heck sorgten ebenfalls f√ľr Differenzierung. Im Innenraum zeigte sich der Exklusivit√§tszuschlag an Details wie einer Mittelkonsole in Kohlefaseroptik mit Editionsplakette sowie roten Ziern√§hten an Lenkrad und T√ľrverkleidungen.

2015: Ford Focus III RS

Die dritte Ford Focus RS-Generation wurde vom “Ford Performance”-Team entwickelt

Am 12. Dezember 2014 best√§tigte Ford, dass es auch von der dritten Ford Focus Generation eine “ultimative Performance-Version” mit dem RS-Signet geben werde. Zugleich gab das Unternehmen die Gr√ľndung eines global agierenden “Ford Performance”-Teams bekannt, und zwar unter Einbeziehung des europ√§ischen “Team RS” und des “Special Vehicle Teams” (SVT) in Nordamerika. Ziel: eine noch effektivere Entwicklung und die weltweite Vermarktung von besonders leistungsstarken Modellen und sportlichem Zubeh√∂r.

Seinen ersten Live-Auftritt auf internationaler B√ľhne hatte der neue RS dann auf dem Genfer Automobilsalon im M√§rz 2015 – Seite an Seite mit dem Supersportler Ford GT, der dort sein Europa-Deb√ľt feierte. Herausgekommen war eine f√ľnft√ľrige Limousine mit einem 2,3 Liter EcoBoost-Vierzylindermotor, der 320 PS (235 kW) entwickelte. Erw√§hnenswert war auch der ebenfalls vom “Ford Performance”-Team entwickelt innovative Allradantrieb. Kennzeichen: eine dynamische Drehmomentverteilung (Torque Vectoring) f√ľr Kurvengeschwindigkeiten, die bis dato im Ford Focus-Segment beispiellos waren.

Das neue Allrad-Antriebssystem basierte auf zwei elektronisch gesteuerten Differenzialen, die nicht nur die Kraftverteilung zwischen vorne und hinten regelten, sondern auch die Drehmomentbalance zwischen den Hinterr√§dern. Bis zu 70 Prozent der Motorleistung flossen damit an die Hinterr√§der, im Falle extremer Traktionsunterschiede zwischen links und rechts sogar komplett an ein einzelnes Rad. F√ľr das perfekte Fahrerlebnis lie√üen sich individuell vier Fahrmodi einstellen: “Normal”, “Sport”, “Rennstrecke” oder “Drift”. Ebenfalls serienm√§√üig an Bord war eine “Launch Control” f√ľr einen traktionsoptimierten Rennstart. Das √ľberarbeitete Fahrwerk verf√ľgte √ľber elektronisch verstellbare Sto√üd√§mpfer mit einem eigens f√ľr Rennstrecken entwickelten Setup. Sogar Semi-Slicks von Michelin standen f√ľr Eins√§tze auf abgesperrten Tracks als Option erstmals zur Wahl.

Einen Motor hatte der RS nat√ľrlich auch. Zwar nun mit einem Zylinder weniger als das unvergleichliche Zylinder-Quintett des Vorg√§ngers, aber daf√ľr mit 350 PS, einem Drehmoment von 440 Nm (im Overboost-Modus sogar f√ľr 15 Sekunden von 470 Nm) sowie signifikant gesenkten Verbrauchs- und Abgaswerten. Das immense Kraft- und Effizienzpotenzial des 2,3-Liter-EcoBoost-Motors resultierte aus einer Benzin-Direkteinspritzung modernster Bauart, variabler Nockenwellenverstellung, einem Start-Stopp-System, einem reibungsoptimierten Twin Scroll-Turbolader mit √ľppig dimensionierter Verdichterseite, einem deutlich vergr√∂√üerten Ladeluftk√ľhler sowie der durchsatzoptimierten Gestaltung von Ansaugtrakt und Abgasanlage. Damit der Sound auch die Hardcorefans begeisterte, komponierte zus√§tzlich ein Regelventil die Balance zwischen Staugegendruck und Motorklang.

Ein Auto, das 268 km/h schnell ist, in 4,7 Sekunden die 100-km/h-Marke knackt – und damit in punkto Beschleunigung das schnellste RS-Modell ist, das Ford jemals produziert hat -, braucht kein Bling-Bling und keine Show-Deko – es ist selbst die Show.

Im Mai 2017 erkl√§rte das Unternehmen, der Ford Focus III RS sei ab sofort auch mit dem neuen Ausstattungspaket “Blue & Black” bestellbar. Wichtigste √Ąnderung gegen√ľber dem “RS”: ein mechanisches Vorderachs-Sperrdifferenzial, das die Traktion weiter verbesserte und somit ein noch dynamischeres Fahrverhalten erm√∂glichte, da dem Rad mit besserer Bodenhaftung mehr Drehmoment zugeleitet und somit Schlupf an der Vorderachse vermindert wurde.

Produziert wurde der Ford Focus III RS, wie die beiden Vorg√§nger-Generationen, im Werk Saalouis/Saarland. Im Zuge der Einf√ľhrung der neuen, vierten Ford Focus-Generation (die Markteinf√ľhrung in Deutschland ist f√ľr September 2018 geplant) lief die RS-Produktion im Fr√ľhjahr 2018 aus. Zum Verkaufsstart des Ford Focus III RS hatte das Unternehmen erkl√§rt, dieses Modell sei eines von insgesamt zw√∂lf neuen Performance-Fahrzeugen, die Ford weltweit bis 2020 auf den Markt bringen werde. Die Geschichte der Ford-Fahrzeuge mit dem traditionsreichen RS-K√ľrzel im Namen d√ľrfte also weitergeschrieben werden.

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