Das VermÀchtnis des Lamborghini Countach in einer Videoreihe

Lamborghini Countach

Die 70er-Jahre waren eine Zeit der KreativitĂ€t und eines der bedeutendsten Jahrzehnte fĂŒr Design sowie wichtiger Errungenschaften wie Reisen ins Weltall und Modetrends mit lebhaften Farben.

Sant’Agata Bolognese – Lamborghini feiert 50 Jahre Countach auf eine besondere Art und Weise: Ab diesem Montag erzĂ€hlt in mehreren Folgen eine inspirierende Persönlichkeit in den sozialen Medien vom VermĂ€chtnis der Ikone. Den Auftakt macht Designer Marcello Gandini, der die futuristischen Linien des Supersportwagens in einer Zeit entworfen hat, in der Entwickler große stilistische und technische Freiheiten genossen und sich nur an wenigen gesetzlichen und reglementarischen Vorgaben orientieren mussten.

Die 70er-Jahre waren eine Zeit der KreativitĂ€t und eines der bedeutendsten Jahrzehnte fĂŒr Design. Es waren Jahre wichtiger Errungenschaften wie Reisen ins Weltall, dem Aufkommen der Hochtechnologie mit dem Bau moderner Computer und DĂŒsenjets bis hin zu Modetrends mit geometrischen Mustern und lebhaften Farben. Der Countach blickte von den JugendzimmerwĂ€nden einer ganzen Generation und war viel mehr als ein ĂŒberbordender kommerzieller Erfolg. Kaum produziert, nahm er die Rolle einer Stil- und Leistungsikone ein und eroberte sich seinen Platz in der Weltgeschichte des Automobilsektors.

1971: das DebĂŒt mit dem „Idea Car“, dem Countach LP 500

Lamborghini Countach

Im Sommer 1970 machte Ferruccio Lamborghini Druck, um ein revolutionĂ€res Fahrzeug zu erschaffen, das den Miura ersetzen sollte. Der neue Supersportwagen sollte technisch fortschrittlicher und schneller sein und gleichzeitig zum Symbol der 70er-Jahre werden. Der Zwölfzylinder-Motor mit einem von vier auf fĂŒnf Liter vergrĂ¶ĂŸerten Hubraum wurde hinten lĂ€ngs statt quer eingebaut. Der technische Verantwortliche, Ing. Paolo Stanzani, fand dafĂŒr eine Lösung mit dem Getriebe vor dem Motor, fast direkt hinter den Sitzen, und einer Antriebswelle durch den Monoblock. Aus stilistischen Gesichtspunkten entschloss sich Marcello Gandini, Stildirektor bei Carrozzeria Bertone, die abgerundeten Formen der 60er-Jahre hinter sich zu lassen und entwarf ein sehr tiefliegendes, langes und kantiges Fahrzeug mit einer absolut außergewöhnlichen Form.

FĂŒr die ScherentĂŒren entschied sich Gandini nicht nur aus technischen GrĂŒnden im Zusammenhang mit der seitlichen Höhe des Rahmens. Er sicherte sich damit den Beifall von Ferruccio fĂŒr eine weitere Innovation und erschuf etwas, das ein charakteristisches Merkmal aller Zwölfzylinder aus Sant’Agata Bolognese werden sollte. Die Einzigartigkeit des LP 500 spricht aus den kantigen Formen, die im Automobilsektor das stilistische Symbol der nachfolgenden Jahre wurden. Sie hauchten einem Modell Leben ein, das mit ganz wenigen Änderungen gut 17 Jahre lang produziert wurde.

WĂ€hrend der Arbeiten am ersten Prototypen mit dem Namen LP 500, der fĂŒr den Genfer Autosalon im MĂ€rz 1971 fertiggestellt sein musste, tauchte zum ersten Mal das Wort „Countach“ auf. Der Ausdruck aus dem piemontesischen Dialekt bedeutet Erstaunen und Bewunderung fĂŒr etwas.

1973: Geburt der ersten Generation, des Countach LP 400

Countach LP 400 Remi Dargegen (2)

Der Countach LP 500 wurde sofort zum Erfolg. Er war aber nicht fertigentwickelt, es handelte sich lediglich um ein „Idea Car“, um die Reaktionen möglicher Kunden zu testen. Doch die waren durchweg positiv. Also beschloss Lamborghini, mit der Entwicklung zu beginnen und den Sportwagen so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Zwei Jahre intensive Arbeit waren nötig, hĂ€ufig zusammen mit dem neuseelĂ€ndischen Testfahrer Bob Wallace, bevor der Countach LP 500 in die Serienproduktion gehen konnte. Besonders im Zusammenhang mit der MotorkĂŒhlung und dem Lufteinlass in den Innenraum waren zahlreiche Änderungen erforderlich, wofĂŒr zwei seitliche NACA-Luftklappen und zwei LuftkanĂ€le ĂŒber den LufteinlĂ€ssen des KĂŒhlers hinzugefĂŒgt wurden. Die Vorderseite verĂ€nderte sich leicht und wurde um ein paar Zentimeter angehoben.

Nach den ersten Tests auf der Straße erwies sich der FĂŒnf-Liter-Motor als unausgegoren und zu empfindlich und wurde durch einen Vier-Liter-Motor ersetzt. Auf dem Genfer Autosalon im MĂ€rz 1973 hatte der Countach LP 400 sein offizielles DebĂŒt: mit einem Prototypen mit der Fahrgestellnummer #1120001. Der war in allem dem spĂ€teren Serienfahrzeug sehr Ă€hnlich. Im Vergleich mit dem Countach LP500 unterscheidet sich der LP400 in erster Linie durch die Verwendung eines Gitterrohrrahmens anstelle einer selbsttragenden Struktur. Die Karosserie bestand aus Aluminiumteilen; mit ihr wurden alle optischen und technischen Änderungen ĂŒbernommen, die bei der Entwicklung nötig geworden waren. Das in Genf in der Farbe Rot vorgestellte Auto sollte spĂ€ter in der Lackierung MittelgrĂŒn auf den Autosalons 1973 IAA in Frankfurt, Paris und im Earls Court in London ausgestellt werden. Danach wurde es in die Schweiz verkauft, zu Beginn der 2000er-Jahre ausfindig gemacht und befindet sich heute im Eigentum von Automobili Lamborghini, ausgestellt im eigenen Museum, dem MUDETEC.

Der serienmĂ€ĂŸige Countach hatte einen Rahmen aus Stahlrohren mit differenziertem Durchmesser, einen Boden aus Glasfaser und Blechplatten zum „Verschließen“ von Motor- und Kofferraum. Der Wagen bot zahlreiche Vorteile auch in Bezug auf das Gewicht und blieb ĂŒber die gesamten Produktionsjahre praktisch unverĂ€ndert.

Der von sechs Weber-Doppelvergasern (Typ 45 DCOE) gespeiste 4,0-Liter-Motor gab 375 PS bei 8000 U/min fĂŒr eine Höchstgeschwindigkeit von fast 300 km/h aus. Die AufhĂ€ngungen hatten ihren Ursprung im Rennsport mit unterschiedlich langen Querlenkern, Schraubenfedern, hydraulischen StoßdĂ€mpfern und einer Koppelstange zur Vorderachse und zur Hinterachse, Trapezfedern oben und Dreiecksfedern unten, verstellbaren StoßdĂ€mpfer fĂŒr jedes Rad und Querstreben. Bei den Bremsen handelte es sich um selbstentlĂŒftende Scheibenbremsen mit BremssĂ€tteln fĂŒr RenneinsĂ€tze. Der von vielen Fans als die reinste Version im Design von Marcello Gandini angesehene LP 400 ist mit bis 1977 nur 152 verkauften Exemplaren heute die bei Sammlern begehrteste Version.

1978: der Countach LP 400 S

Countach LP 400 S Remi Dargegen (1)

Der LP 400 wurde ab 1978 durch den Countach LP 400 S ersetzt, mit den neu designten, stark abgesenkten RĂ€dern Pirelli P7 mit Magnesiumfelgen und 205/50-VR15-Reifen vorne sowie 345/35

VR15 hinten, den fĂŒr grĂ¶ĂŸere Reifen notwendigen Radlaufblenden, einem sehr niedrigen vorderen Spoiler und einem Heckspoiler, der ebenfalls zu einem Unterscheidungsmerkmal des Countach in den nachfolgenden Jahren wurde. Der LP 400 S gilt heute als das perfekte Beispiel fĂŒr die DNA des Countach und von Lamborghini, die Sportlichkeit, Formschönheit und eine futuristische Technik vereint. Niemals zuvor hatte man auf der Straße ein „normales“ Fahrzeug mit einem so pistengeeigneten Aussehen gesehen, und der LP 400 S diente allen spĂ€teren Countach-Serien als Inspiration. Es wurden 235 Einheiten bis 1982 gebaut.

1982: der Countach LP 5000 S

Countach LP 5000 S (3) Remi Dargegen

Der Nachfolger LP 5000 S hatte seinen ersten Auftritt beim Genfer Autosalon im MĂ€rz 1982. Ing. Giulio Alfieri, der 1979 als Technik- und Produktionsleiter ins Unternehmen gekommen war und spĂ€ter Generaldirektor wurde, entwickelte den Motor mit (fast) fĂŒnf Litern.

Das optisch nicht vom LP 400 S zu unterscheidende Modell hatte ein leicht verĂ€ndertes Inneres. Der neue Motor kam auf 375 PS bei 7000 U/min. Die horizontalen Weber-Doppelvergaser (Typ 45 DCOE) blieben unverĂ€ndert (lediglich einige Fahrzeuge erhielten nach der Einfuhr in die USA die elektronische Einspritzung Bosch K-Jetronic). Die Produktion umfasste 323 StĂŒck, bis ihn der LP 5000 Quattrovalvole 1985 ablöste. Im MĂ€rz 1985 wurde dessen erste Version auf dem Genfer Autosalon vorgestellt, die offiziell importiert und auch in den USA zugelassen wurde.

1985: der Countach LP 5000 Quattrovalvole

Countach LP 5000 Quattro valvole

Im Quattrovalvole oder QV erfuhr der Zwölfzylinder-Motor mit einem auf 5,2 Liter vergrĂ¶ĂŸerten Hubraum und Vier-Ventil-Zylinderkopf eine Weiterentwicklung. Die neue technische Lösung zwang zum Einsatz neuer Vergaser, sechs Weber DCNF, nicht lĂ€nger in horizontaler Stellung, sondern vertikal montiert. Die Version fĂŒr den US-amerikanischen Markt war dagegen mit elektronischer Einspritzung Bosch KE-Jetronic in Einheit mit Katalysator und KraftstoffdampfrĂŒckfĂŒhrung ausgestattet. Der Leistungsanstieg ist verblĂŒffend: 455 PS bei 7000 U/min. Die vordere Spurweite wuchs um 44 Millimeter, die Ă€sthetischen VerĂ€nderungen waren minimal: nur eine neue Motorhaube mit einem großen Höcker, der nötig ist, um den neuen vertikalen Vergasern Platz zu machen.

Ab 1988 erhielt der QV Seitenschweller, die sein Aussehen noch moderner machten. Die US-amerikanische Version ist neben den seitlichen VerstĂ€rkern an der StoßfĂ€ngerkontur an der RĂŒckwand und am erweiterten vorderen StoßfĂ€nger zu erkennen. Der QV ist der erste serienmĂ€ĂŸige Lamborghini mit Motorhaube aus Verbundwerkstoff. Insgesamt wurden bis 1988 nur 631 Quattrovalvole produziert.

Seit Baubeginn des Countach kamen zwar einige Fahrzeuge auf den US-amerikanischen Markt, offiziell zugelassen fĂŒr den US-Markt war der Countach bis zum Modelljahr 1986 mit dem LP 5000 Quattrovalvole aber nicht.

Jeder Countach fĂŒr die USA durchlief eine Reihe an nötigen VerĂ€nderungen, um ihn an die strengen Vorschriften in den USA im Hinblick auf Umwelt- und Aufprallschutz anzupassen. Das waren allerdings improvisierte Lösungen, die die Verkaufsmöglichkeiten des Countach auf einem der wichtigsten MĂ€rkte weltweit stark einschrĂ€nkten. Es ist kein Zufall, dass der Countach zum Ende hin fast 50 Prozent der Gesamtproduktion von Lamborghini ausmachte – und das allein in den letzten vier Jahren von 1987 bis 1990, als das Modell bereits mehr als 15 Jahre alt war.

1988: der Countach 25° Anniversario

Countach 25° Anniversario (5) Remi Dargegen

Auf dem Pariser Autosalon 1988 hatte der Countach 25° Anniversario sein DebĂŒt, die neueste Evolution des Countach. Seit 1985, als der Ingenieur Luigi Marmiroli den Posten von Giulio Alfieri an der Spitze der Technikabteilung von Automobili Lamborghini ĂŒbernahm, war das BedĂŒrfnis zu spĂŒren, den inzwischen seit 14 Jahren produzierten Countach zu ersetzen. Zwischenzeitlich erneuerte man ihn mit einer Sonderversion, die zur Feier des 25-jĂ€hrigen Bestehens des Unternehmens den Namen 25° Anniversario bekam.

Optisch gab es starke, technisch nur wenige VerĂ€nderungen. Der Motor bekam ein verbessertes KĂŒhlsystem, der Rahmen wurde anders ausgerichtet, um sich den neuen Reifen Pirelli P Zero anzupassen. Den Fahrgastraum erneuerten die Entwickler und gestalteten ihn mit den weniger geformten, elektrisch verstellbaren Sitzen und den elektrischen Fensterhebern komfortabler. Der noch junge Horacio Pagani, der zu jener Zeit bei Lamborghini war, legte den Stil der Karosserie neu auf, gestaltete die Formen runder und integrierte die AußenanhĂ€ngsel wie Radlaufblenden und Unterholme besser in Ganze. Ein sichtbares Merkmal des 25° Anniversario sind neben den neuen zusammensetzbaren Aluminiumfelgen die abgerundeten und verlĂ€ngerten LufteinlĂ€sse hinten. Diese VerĂ€nderungen, von denen einige direkt dem Prototypen Countach Evoluzione entlehnt wurden, machten den 25° Anniversario zum Countach mit den besten Ergebnissen in Bezug auf dynamischen Auftrieb und Strömungswiderstand.

Der 25° Anniversario ist der am hĂ€ufigsten produzierte Typ in der Geschichte des Countach und hob die Gesamtproduktion des Modells Countach auf 1999 Fahrzeuge an (ohne den allerersten LP 400 #1120001 mitzuzĂ€hlen). Am 4. Juli 1990 lief der letzte Countach vom Band, ein 25° Anniversario in der Version fĂŒr Europa in Metallic Silber und mit Innenausstattung aus grauem Leder. Dieser Countach mit der Wagen-Nr. 658 wurde nicht verkauft, sondern verblieb in der Ausstellung des MUDETEC.

ĂŒbermittelt durch Lamborghini

Das könnte Sie auch interessieren:

%d Bloggern gefÀllt das: