Der aktuelle Vogelschlag-Vorfall bei CONDOR zeigt: Die Rechtslage bei Fluggastrechten ist noch immer nicht zufrieden stellend

Der Fluggastrechtsexperte FairPlane klĂ€rt ĂŒber die Krux der aktuellen Rechtsbestimmungen auf und erklĂ€rt, warum große VerspĂ€tungen auch in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden können

Der aktuelle Vogelschlag-Vorfall bei CONDOR zeigt: Die Rechtslage bei Fluggastrechten ist noch immer nicht zufrieden stellend

Ein hÀufiges Bild der letzten Tage lange Warteschlangen an den FlughÀfen in Frankfurt und Teneriffa

MĂŒnchen, 4. Juli 2017 (ar) – Frustration und VerĂ€rgerung in Frankfurt am Main und auf Teneriffa: Aufgrund eines Vogelschlags bei einer CONDOR-Maschine am vergangenen Freitag konnten zahlreiche Passagiere ihren RĂŒckflug nach Deutschland nicht wie geplant wahrnehmen und steckten mehr als zwei Tage am Flughafen in Teneriffa fest. Gleichzeitig konnten 170 weitere FluggĂ€ste in Frankfurt erst mit rund 44-stĂŒndiger VerspĂ€tung in den lang ersehnten Urlaub starten. Der Grund fĂŒr die massiven VerspĂ€tungen bei CONDOR: Ein Vogelschlag am rechten Triebwerk eines Airbus A321 sorgte fĂŒr den Ausfall einer Maschine im bulgarischen Burgas. Die in der Folge langwierige Reparatur (Techniker und Ersatzteile mussten erst eingeflogen werden) und das Beschaffen eines Ersatzflugzeuges kosteten die genervten Reisenden zwei ihrer Urlaubstage. Warum dieser Fall beim marktfĂŒhrenden Anbieter fĂŒr Fluggastrechte-Services FairPlane gleich doppelt sauer aufstĂ¶ĂŸt und warum eine solche massive VerspĂ€tung nach derzeitiger Rechtslage immer wieder vorkommen kann, erklĂ€rt der Reiserechtsexperte und Unternehmenssprecher von FairPlane Prof. Dr. Ronald Schmid.

Herr Prof. Dr. Schmid, wie beurteilen Sie den neuesten Vogelschlag-Vorfall bei der CONDOR?

Der aktuelle Vorfall zeigt deutlich, dass die Entscheidung des EuGH vom Mai 2017 Vogelschlag als “außergewöhnlichen Umstand” zu bewerten und FluggĂ€sten daher in der Regel keinen Anspruch auf Ausgleichzahlungen nach europĂ€ischem Recht zu gewĂ€hren, vor allem fĂŒr die betroffenen Passagiere einen doppelten Nachteil bedeutet. Nicht nur kommen diese verspĂ€tet an ihrem Zielort an, sie haben zudem in der Regel auch keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.

Die Formulierung “in der Regel” deutet darauf hin, dass in AusnahmefĂ€llen eine Ausgleichszahlung möglich ist?

Richtig, denn auch bei einem Vogelschlag ist m.E. keineswegs sicher, dass FluggĂ€ste generell keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung haben. Zum einen ist nicht ausgeschlossen, dass die große Kammer des EuGH anders entscheidet. Zum anderen muss das Luftfahrtunternehmen im Einzelfall nachweisen, dass es alle zumutbaren Maßnahmen zur Vermeidung der VerspĂ€tung ergriffen hat. Abwarten bis die Reparatur des betroffenen Flugzeugs abgeschlossen ist, reicht da nicht aus. Es muss beispielsweise geklĂ€rt werden, ob eine anderweitige Beförderung z.B. durch Umbuchung auf andere FlĂŒge möglich ist.

Viele Airlines erklĂ€ren die langen Wartezeiten der Passagiere an FlughĂ€fen durch die Dauer der Reparaturarbeiten. Ließe sich das optimieren?

Hier mĂŒsste natĂŒrlich jeder Vorfall im Detail betrachtet werden. Jedoch ist das oben genannte Urteil des EuGH auch in einem weiteren Sinne fĂŒr den Verbraucher ungĂŒnstig: Da Airlines bei Vogelschlag meist nicht haften mĂŒssen, spielt es nach Ansicht dieser hinsichtlich möglicher Ausgleichszahlungen weniger eine Rolle, ob sie das Flugzeug in 3 oder in 30 Stunden wieder einsetzen können. Die Dauer der Verzögerung ist fĂŒr den Passagier jedoch von grĂ¶ĂŸter Bedeutung und entscheidet oftmals ĂŒber das Ausmaß seiner VerĂ€rgerung.

Bei einem Flugausfall ist meist eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Passagieren betroffen. Eine Umbuchung aller Passagiere auf andere FlĂŒge ist schwierig. Was passiert in dieser Situation?

Ein Ersatzflugzeug muss beschafft werden. Und genau hier zeigt sich die SchwĂ€che der bisherigen Rechtsprechung. Nach Ansicht des BGH sind Airlines derzeit nicht verpflichtet, ein Ersatzflugzeug bereit zu halten. Das bedeutet im Klartext: Ein Luftfahrtunternehmen muss erst dann reagieren, wenn ein Schaden eingetreten ist. BemĂŒht es sich aber erst im Anschluss an den Zwischenfall um ein Ersatzflugzeug ist es sehr schwierig bis ausgeschlossen, kurzfristig ein Flugzeug anzuchartern. Das gilt insbesondere in der Hochsaison. Zudem muss das Flugzeug an den benötigten Flughafen geflogen werden, wertvolle (Urlaubs-)Zeit geht dem Fluggast verloren. Die bisherige Rechtsprechung des BGH erlaubt Airlines somit ein “just in time”-Management, das zulasten des Verbrauchers geht. Wir von FairPlane plĂ€dieren daher seit Jahren dafĂŒr, dass Airlines Ersatzflugzeuge in angemessenem Umfang bereit halten mĂŒssen und berufen uns dabei auf einen Urteilsvorschlag des Generalsanwalts beim EuropĂ€ischen Gerichtshof. Das Luftfahrtunternehmen hat in dem damaligen Fall die Forderung schnell bezahlt, um ein verbindliches Urteil zu verhindern. FairPlane wird das aber bei nĂ€chster Gelegenheit vom EuGH ĂŒberprĂŒfen lassen. Der vorliegende Condor-Flug könnte dafĂŒr geeignet sein.

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