Bei Volkswagen wurde ein schwerer Fehler gemacht

“Bei Volkswagen wurde ein schwerer Fehler gemacht”

Hamburg (ots) – Der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche SE, Wolfgang Porsche, nimmt gegenĂŒber dem Magazin stern ausfĂŒhrlich zum Dieselbetrug im Volkswagen-Konzern Stellung. Die Familien Porsche und PiĂ«ch sind ĂŒber die Porsche SE mit 52,6 % der Stammaktien MehrheitseigentĂŒmer des Volkswagen-Konzerns.

“Bei Volkswagen wurde ein schwerer Fehler gemacht”, rĂ€umt Porsche in einem GesprĂ€ch mit dem Magazin ein, das an diesem Donnerstag, 3. Mai 2018, erscheint, “aber die Sache wird aufgearbeitet, und die Probleme werden ‘StĂŒck fĂŒr StĂŒck’ in Ordnung gebracht.” Mit “Blick auf die LuftqualitĂ€t in den StĂ€dten”, so Porsche weiter, werde Volkswagen “eng mit politisch Verantwortlichen zusammenarbeiten. Es nĂŒtzt niemandem, wenn wir aktiv darauf hinarbeiten, eine unserer SchlĂŒsselindustrien zu gefĂ€hrden, von der in der Bundesrepublik jeder siebte Arbeitsplatz abhĂ€ngt.”

Volkswagen arbeite “intensiv an Lösungen”, versichert Wolfgang Porsche, eine Hardware-UmrĂŒstung von Ă€lteren Dieselfahrzeugen lehnt er allerdings ab. “FĂŒr die betroffenen Modelle gibt es bereits gute Software-Updates”, sagt er. Sicher seien viele Kunden durch die DieselaffĂ€re von Volkswagen enttĂ€uscht, gibt Porsche zu, “aber offenbar entscheiden sich sogar mehr Menschen als frĂŒher, eines unserer Autos zu kaufen. Sonst hĂ€tten wir nicht so hervorragende Konzernzahlen vermelden können.” Gleichzeitig mahnt Porsche mehr Bescheidenheit im Volkswagen-Konzern an. “Ich habe schon oft gesagt, dass es kein Wert an sich ist, die Nummer eins in der Welt zu sein, was die GrĂ¶ĂŸe betrifft.”

Angesprochen auf den Kulturwandel und die moralische Erneuerung, die er bei Volkswagen eingefordert hatte, antwortet Porsche: “Es geht voran, aber abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht. Vor allem wird das Dieselthema den Volkswagen-Konzern noch viele Jahre beschĂ€ftigen.” Deshalb stelle er sich im Aufsichtsrat noch einmal zur Wahl. “Wenn meine Gesundheit es zulĂ€sst, bleibe ich die vollen fĂŒnf Jahre. Ich glaube schon, dass ich den angestoßenen Wandel noch mitĂŒberwachen sollte”, erkĂ€rt Wolfgang Porsche, der am 10. Mai seinen 75. Geburtstag feiern wird. Porsche: “Die Kultur, die es in Wolfsburg gibt, muss weiter verĂ€ndert werden.”

Wenn er bei Volkswagen Strukturen verĂ€ndern könnte, so Porsche gegenĂŒber dem stern, wĂŒrde er es “in einzelnen Bereichen tun”. Zwischen Management und Betriebsrat mĂŒsse es eine “Gewaltenteilung” geben. Arbeitnehmer sollten bei Themen, die die Mitarbeiter betreffen, mitbestimmen, sagte er, “aber es sollte sich darauf beschrĂ€nken, und es sollte sich daraus kein Anspruch auf ein Co-Management ableiten.” Aber klar sei auch, “dass der Vorstand das Unternehmen fĂŒhrt und am Ende die Verantwortung fĂŒr die Entscheidungen trĂ€gt.” Vom neuen Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess erwartet der Sprecher der MehrheitseigentĂŒmer, dass “er das Tempo der VerĂ€nderung nochmals erhöhen und die Konzernstruktur umfassend weiterentwickeln” wird.

Es habe innerhalb der Familie “keinen Machtkampf” um die Gestaltungshoheit im Volkswagen-Konzern gegeben. Dennoch sei das Ausscheiden seines Cousins Ferdinand PiĂ«ch aus dem Kreis der Porsche- und Volkswagen-Gesellschafter Ende 2017 “eine ZĂ€sur” gewesen. “Ich frage mich immer wieder”, so Porsche im Hinblick auf PiĂ«ch zum stern, “wie sich jemand mit einer solch großartigen Lebensleistung innerhalb kĂŒrzester Zeit selbst ins Abseits bugsieren konnte. Das ist mir ein RĂ€tsel.” Er sei nicht damit einverstanden gewesen, als sein Cousin – damals Aufsichtsratschef des VW-Konzerns – im April 2015 öffentlich erklĂ€rte, er sei “auf Distanz” zum damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Dieser musste spĂ€ter im Zuge des Dieselskandals seinen Platz rĂ€umen. “So konnte man nicht mit jemandem umgehen, mit dem man 35 Jahre lang gut zusammengearbeitet hat. Das habe ich meinem Cousin auch deutlich gesagt.”

Die RivalitĂ€t zwischen dem Porsche- und dem PiĂ«ch-Zweig der EigentĂŒmerfamilie prĂ€gte jahrelang das öffentliche Bild des Clans. Sie geht unter anderem zurĂŒck auf einen Streit im Jahr 1972, wer im Unternehmen das Sagen haben sollte. Ferdinand PiĂ«ch drĂŒckte die Differenzen damals in drastischen Worten aus, berichtet Wolfgang Porsche jetzt im stern: “Er meinte: Wir Porsches, die ‘Hausschweine’, wĂŒrden gefĂŒttert, und er, das ‘Wildschwein’, mĂŒsse sich das Futter selbst suchen. Ich habe ĂŒber diesen Vergleich immer geschmunzelt, weil es so einfach natĂŒrlich nicht war.”

Das ganze Interview erscheint im stern am Donnerstag, 3. Mai 2018. Als e-Paper ist der stern bereits am Mittwoch, 2. Mai 2018 um 18.00 Uhr erhÀltlich.

Quelle: “stern”

Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, ĂŒbermittelt durch news aktuell

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